Licht für Gesundheit

CyberLux

Bewertbarkeit von Licht und Architektur


Autor

Michael Rohde und Mathilde Stanglmayr

Vortrag bei der Konferenz
„Beleuchtung von Bildschirmarbeitsplätzen – Neue Regelungen, neue Konzepte, neue Lösungen“,
4./5. Oktober 2001, Berlin
Veranstalter: ERGONOMIC Institut

Kurzfassung

Der Beitrag setzt sich mit folgenden Aspekten auseinander:

  • Gibt es übergeordnete Qualitätsmerkmale für Architektur und Licht?
  • Inwieweit korrelieren diese Qualitätsmerkmale?
  • Welche Einflüsse resultieren aus den unterschiedlichen Interessen von Investor und späterem Gebäudenutzer?
  • Welche Möglichkeiten gibt es, eine höhere Bauqualität zu erzielen, die zum Nutzen aller avanciert?
  • Ist eine höhere Bauqualität finanzierbar, wann wird sie vom Investor angenommen?

Beitrag

1 Situation und Fragestellung

„Mein Interesse ist die Zukunft,
denn in ihr werde ich mein weiteres Leben verbringen.“
Charles F. Kettering

Sind Investoren, Bauherren und Nutzer bereit, eine höhere Qualität zu finanzieren ? In den Jahren des Booms ab 1990 sah es so aus, als würde der Markt, z. B. für Büroimmobilien, auch einfache standardisierte Qualität aufnehmen, spätestens seit 1995 hat sich das geändert. Mit Ausnahme von München und Frankfurt ist die Nachfrage nach Büroimmobilien stark zurückgegangen. Mehr als eine Mio m2 Bürofläche stehen in Berlin leer, die Hälfte davon Neubau.

Es gibt einen hohen Bedarf an Konzepten, mit denen die geringe Zahl von Nachfragern für eine Nutzung der Gebäude gewonnen werden kann. Die Nutzer achten zunehmend auf Gestaltung, Gesundheit und Wohlbefinden. Sind Architektur und Licht zwei Parameter, die heute und in Zukunft entscheidend für den Vermietungserfolg sind ?


2 Qualität von Architektur und Licht
2.1 Licht und Material/Raum

„There is no Architecture without Light“
J.M. Waldram

Das Zitat von Waldram bringt die Sache auf den Punkt!

Licht, Material und Raum stehen immer im Dialog. Dabei spielt es zunächst keine Rolle, ob es sich um Kunst- oder Tageslicht handelt.

Raum ist für den sehenden Menschen in allererster Linie durch Licht wahrnehmbar. Nicht mehr nur die Quantität, sondern vor allem die Lichtqualität steht im Vordergrund des Interesses.


2.2 Gute Beleuchtungsqualität muss nicht teuer sein

Eine hochwertige Lichtqualität ist zunächst abhängig vom Konzept und vor allem von einer guten „Idee“.

Gutes Licht steht nicht ausschliesslich in direktem Zusammenhang mit der Höhe eines verfügbaren Budgets für Beleuchtung, gleichwohl steht fest, dass eine „volle Geldbörse“ vieles erleichtern kann.


2.3 Lichtqualität für bestehende Architektur

Image und vor allem Umfeldverbesserungen können durch Anstrahlung bzw. Inszenierung von bereits existierenden Gebäuden erreicht werden. Beispiele mit „Vorher-/Nachhersituationen“ zeigen, wie man den „Genius Loci“ eines Ortes herausarbeiten kann.


2.4 Lichtqualität für neue Architektur

Bei der Konzeption von neuen Gebäuden mit wertigem Anspruch ist Architektur und Licht mit der besonderen Wirkung nach „Innen und Aussen“ integraler Bestandteil des gesamten Konzeptes.


2.5 „Lichtwettbewerbe“ als Werkzeuge, zur Verbesserung der Lichtqualität

Was in der Architektur seit langem üblich ist, wird in der Zukunft auch in der Lichtplanung „Alltag“ werden und die Qualität weiter heben.


3 Interessen der Investoren und Nutzer

Der hohe Konkurrenzdruck am Markt erzeugt einen Bedarf an besseren Qualitäten. Qualität hat mehrere Dimensionen:

  • Eine eindeutige klare Gestalt
  • Ein ausgewogenes Kosten- und Nutzenverhältnis
  • Eine einfache Handhabbarkeit und Funktionalität
  • Eine gute Qualität der Gestaltung auf mehreren Ebenen
  • Eine angemessene Nutzungsbreite und Flexibilität, für Erfordernisse mehrerer Branchen
  • Eine ansprechende Anmutung, Atmosphäre und gute Wirkung auf das Wohlbefinden

Dies ist sicherlich keine abschließende Aufzählung. Allen Kriterien ist jedoch gemeinsam, daß sie eine breite Zustimmung finden und universell gültig sind.

Wir sind überzeugt davon, daß sich qualitativ hochwertige Architektur- und Lichtkonzepte immer mehr durchsetzen werden, sowohl im Neubau als auch im Bestand. Voraussetzung dafür ist eine breite Information der Bauherren und Nutzer über die Vorteile in der Gestaltung, in der Funktionalität und in der Nutzen- und Kostenrelation.

Nach unseren Erfahrungen ist der finanzielle Einsatz für gutes Licht vergleichsweise gering, im Vergleich zur Wirkung, die damit erzielt wird.

Oder unternehmerisch formuliert:
Der zusätzliche Nutzen einer Geldeinheit,
die in Qualität von Licht investiert wird,
ist um ein mehrfaches höher
als bei alternativen Investitionsmöglichkeiten.

Für Architektur gilt dies im Allgemeinen nicht, ausser es handelt sich um gestalterisch ausgefeilte Planungslösungen mit angemessenem Kosten- und Nutzenverhältnis.


4 Resumee

Nach unseren Erfahrungen und unserer persönlichen Überzeugung wird bei den heutigen Marktverhältnissen und zukünftigen Entwicklungen eine höhere Qualität in Architektur und Licht finanziert und umgesetzt.

Höhere Qualität wird sich durchsetzen, denn anspruchsvolle Lichtkonzepte haben eine weit größere Wirkung auf Gebäude als andere Kostenarten eines Bauwerks.

Beitrag in Bildern


© 2001 Dipl.-Ing. Michael Rohde und Dipl.-Volkswirtin Mathilde Stanglmayr

Haben Sie Fragen oder Anmerkungen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kategorien