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CyberLux

Wohin mit dem Lampenmüll? – Eine andere dunkle Seite des Lichts beleuchtet


Autor

Ahmet Cakir

Kurzfassung

Zur ganzheitlich ökologischen Denkweise zum künstlichen Licht

Lampen sind technische Produkte, die in jeder Phase ihres Lebens direkt oder indirekt die Umwelt belasten können. Wenn man eine ökologisch sinnvolle Lampe aussuchen möchte, ist der Aspekt des Energieverbrauchs nicht alleiniger Entscheidungsfaktor. Während man einigen Lampenarten eine weitgehende Unbedenklichkeit bescheinigt, enthalten z.B. die Lampen, die etwa 70% des künstlichen Lichts auf der Welt erzeugen sollen (Leuchtstofflampen), Quecksilber. Dieser Stoff kann zwar durch Recycling-Verfahren zum größten teil wieder verwertet werden, Dennoch verbleibt noch 15% Sonderabfall. Während die üblichen Leuchtstofflampen hauptsächlich in der Industrie verwendet werden und daher zu einem erheblichen Prozentsatz dem Recycling zugeführt werden, sieht es bei den sog. „Energiesparlampen“ in Haushalten recht traurig aus.

Beitrag

Zur ganzheitlich ökologischen Denkweise zum künstlichen Licht

Eine ganzheitliche Betrachtungsweise der Beleuchtung von Arbeitsstätten hinsichtlich der Belastung der Umwelt muss alle Phasen des Lebenslaufs der benutzten technischen Einrichtungen von der Herstellung bis zur Entsorgung umfassen. Es ist zweckmäßig, hierbei die Aspekte, die die Umwelt betreffen, von denjenigen getrennt zu betrachten, die den Menschen als Benutzer interessieren. Das Durcheinander der Argumente, die zum Thema „Grünes Büro“ vorgebracht werden, z.B. die gleichzeitige Behandlung von Energieverbrauch, Insektenwirksamkeit oder Schwermetallgehalt von Lampen und biologische Wirkungen auf den Menschen innerhalb eines Vortrags, erschwert eine eventuelle Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Lichtquelle.

Es sollten grob folgende Phasen der Lebensdauer berücksichtigt werden:

• Herstellung des Produkts
– Energieaufwand
– Umweltbelastung durch die Materialerzeugung
– Umweltbelastung durch den Herstellprozess

• Transport, Vertrieb, Installation
– Energieaufwand
– sonstige Umweltbelastung

• Betrieb
– Energieaufwand für den Betrieb
– zusätzlicher Aufwand (z.B. Aufwand durch Leuchte, Vorschaltgerät, Klimatisierung etc.)
– Umweltbelastung (Blendung, Insektenwirkung etc.)

• Entsorgung
– Transport (z.B. Aufwand für Sondermülltransport)
– Recyclingfähigkeit der Materialien
– Aufwand für die Materialrückgewinnung
– Umweltbelastung durch Reststoffe

Was bringt eine ökologische Denkweise?

Selbst wenn kaum jemand alle Informationen besitzt, um das oben dargestellte Schema auszufüllen, kann sich der Umgang mit der Beleuchtung bereits durch schematische Überlegungen ändern. So könnten sich z.B. mehr Personen mit der Natriumdampflampe als Straßenbeleuchtung in der Innenstadt anfreunden als jetzt, wenn sie wüssten, dass diese Lampe nicht nur eine hohe Energieeffizienz besitzt, sondern auch Insekten weit weniger anlockt als Lampen mit besserer Farbwiedergabe.

Möglicherweise machen auch mehr Büromitarbeiter ihren Frieden mit dem „Neonlicht“, wenn sie wissen, dass sie etwa fünf bis zehn Mal mehr Licht aus der gleichen Energie erzeugt. Da der Energieverbrauch eines Büros zu etwa 40% auf die Beleuchtung zurückgeht, ist das keine vernachlässigbare Größenordnung. Die wahre Energiebilanz sieht sogar noch besser aus, wenn man die Kosten einer eventuell vorhandenen Klimatisierung einrechnet: Um eine bestimmte Energiemenge abzuführen, die in einen Raum eingeführt wurde, muss man etwa die achtfache Energie aufwenden!

Ein erster sinnvoller Schritt in dieser Richtung wäre der Einsatz von elektronischen Vorschaltgeräten. Sie sind zwar teurer als herkömmliche, sparen aber Energie und vor allem Sondermüll durch Verlängerung der Lebensdauer der Lampen. Und sie ersparen manchem Benutzer Kopfschmerzen durch weniger Flimmern!

Bereits heute profitiert die Umwelt von der ökologischen Denke. Beispiele:

• Die Quecksilberbelastung der Umwelt wurde drastisch reduziert durch
– weniger Quecksilber in Leuchtstofflampen
– Quecksilberrückgewinnung durch Recycling.

• Umweltrelevante Stoffe wie Arsen und Cadmium werden seit langem nicht mehr verwendet.

• PCB-haltige Kondensatoren wurden aus den Leuchten verbannt.

• Jährlich anfallende Belastung durch Millionen defekter Leuchtstofflampen, die früher als Müll entsorgt wurden, kann durch Recycling auf ca. 15% Sondermüll reduziert werden.


Welche Lampen belasten die Umwelt auf welche Art?

Obwohl man grundsätzlich auf möglichst sparsamen Verbrauch von Energie achten sollte, kann man zuweilen andere Gesichtspunkte stärker beachten, wenn man die Umweltbelastung insgesamt betrachtet. Ein Faktor hierzu ist die Umweltbelastung durch verbrauchte Lampen. Zum einen sollte sich jeder dazu aufgerufen fühlen, diese einer Umwelt schonenden Entsorgung zuzuführen. Zum anderen aber sollte man sich bereits bei der Lampenauswahl Gedanken über die Entsorgung machen. Hier einige Hinweise:

Lampentyp
(Abbildungen Osram)
Bezeichnung Umweltrelevanz
Glühlampen
(Allgebrauchslampen)
Enthalten keine Stoffe, die derzeit als umweltrelevant eingestuft werden.
Reflektorlampen Enthalten keine Stoffe, die derzeit als umweltrelevant eingestuft werden.
Halogenlampen (Halogenglühlampen) Enthalten geringe Mengen Halogene
Halogenmetalldampflampen Enthalten Quecksilber
Natriumdamphochdrucklampen Enthalten Quecksilber
Leuchtstofflampen Enthalten Quecksilber
Kompaktleuchtstofflampen Enthalten Quecksilber
Xenon-Gasentladungs-Lampen (KFZ-Beleuchtung) Enthalten Quecksilber

Naturgemäß beschränkt sich die Umweltbelastung nicht nur auf die „Schadstoffe“, d.h., auf solche, die man als überwachungsbedürftig anerkannt hat. Deswegen hat sich in Deutschland eine Arbeitsgemeinschaft für die Lampenverwertung gebildet, die verschiedene Verfahren entwickelt hat, um möglichst viel Abfall einer Wiederverwendung zuzuführen. Als Beispiel sei das „Shredder-Verfahren“ genannt:


(Quelle: AGLV und ZVEI)

Bei diesem Verfahren wird die Lampe in ihre Bestandteile zerlegt und zum größten Teil wieder verwertbar aufbereitet. Der verbleibende Sonderabfall ist naturgemäß je nach Lampenart unterschiedlich groß.

Weitergehende Informationen s. „Leitfaden für die Entsorgung von Lampen“, Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Lampen-Verwertung (AGLV) im Fachverband Elektrische Lampen Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) e.V.

eingestellt in CyberLux: 9. Februar 2004

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2 comments on “Wohin mit dem Lampenmüll? – Eine andere dunkle Seite des Lichts beleuchtet

noergel

Das ist ja hübsch optimistisch. Mir liegen ganz andere Zahlen vor. Die Energiesparlampen wandern wohl zu mehr als 80% in die Mülltonne. Weiß jemand, wie viele Tonnen Quecksilber das ausmacht?

noergel

Nochmal eine böse Bemerkung: Vor einigen Tagen habe ich mir den Fil Bulb Fiction angesehen. Da wird behauptet, dass die Studie, auf deren Basis die sog. Energiesparlampe vorgeschrieben wird, davon ausging, dass 80% der Lampen im Hausmüll landen. Die Politiker haben aber erzählt, die würden alle als Giftmüll entsorgt. Was stimmt denn nu?

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