{"id":84,"date":"2009-07-19T15:02:42","date_gmt":"2009-07-19T13:02:42","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost:8888\/wordpress\/?p=84"},"modified":"2009-10-21T21:07:47","modified_gmt":"2009-10-21T19:07:47","slug":"einfluss-der-arbeitsplatzbeleuchtung-auf-asthenopische-beschwerden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.lichtundgesundheit.de\/cyberlux\/?p=84","title":{"rendered":"Einfluss der Arbeitsplatzbeleuchtung auf asthenopische Beschwerden"},"content":{"rendered":"<h3>Autor:<\/h3>\n<h2><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Christoph Schierz<\/span><\/h2>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif; color: #000000;\">Kurzfassung<\/span><\/h2>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif; color: #000000;\"> <\/span><\/p>\n<div id=\"_mcePaste\" style=\"overflow: hidden; position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px;\">In den letzten Jahren diskutiert auch die Lichttechnik in zunehmendem Mass unspezifische biologische Lichtwirkungen, welche nicht durch den f\u00fcr das Sehen verantwortlichen spezifischen neuronalen Pfad vermittelt werden. So erlangt die in den 50er Jahren entdeckte retino-hypothalamische Bahn derzeit erneut die Aufmerksamkeit von Lichtplanern und Arbeitswissenschaftlern. Es zeigte sich, dass diese Lichtwirkungen wichtige biologische Vorg\u00e4nge im Menschen vermitteln. Es seien namentlich die zeitliche Positionierung der circadianen Rhythmik, der Abbau von Melatonin in der Nacht sowie die Steigerung des Wachheitsgrades und der K\u00f6rpertemperatur genannt. Saisonale Depressionen k\u00f6nnen mit Licht behandelt werden.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\" style=\"overflow: hidden; position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px;\">Die neuesten Untersuchungen am Menschen lassen vermuten, dass neben der Wirkung von Licht auf die Sehleistung neue \u00dcberlegungen zu den unspezifischen Lichtwirkungen in die Lehrb\u00fccher einfliessen m\u00fcssen. Bisher ging man davon aus, dass hohe Beleuchtungsst\u00e4rken von 2500 lx und mehr f\u00fcr diese Wirkungen notwendig seien. Inzwischen ergeben neueste Untersuchungen aber, dass die 50%-Wirkungsschwellen f\u00fcr unspezifische Lichtwirkungen wie Melatoninabbau, Verschiebung der circadianen Rhythmik und Steigerung des subjektiv und physiologisch bestimmten Wachheitsgrads zwischen 90 und 180 lx vertikaler Beleuchtungsst\u00e4rke am Auge liegen. Das bedeutet, dass bereits heutige Lichtgebungen biologisch wirksam sind.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\" style=\"overflow: hidden; position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px;\">Des weiteren deuten Forschungsresultate darauf hin, dass die spektrale Empfindlichkeit der unspezifischen biologischen Wirkungen stark von der bekannten spektralen Hellempfindlichkeit V-Lambda abweicht. Zudem erwies sich intermittierendes Licht als viel effektiver im Verschieben der circadianen Rhythmik im Vergleich zu kontinuierlichem Licht gleicher Dosis. In Anbetracht dessen, dass wir durch st\u00e4ndige Augenbewegungen zum Beispiel zwischen Fenster, Raumbegrenzungsfl\u00e4chen und Arbeitsfl\u00e4che eine st\u00e4ndig sich \u00e4ndernde Lichtmenge auf der Netzhaut erzeugen, ist auch dieses Ergebnis von grosser Bedeutung f\u00fcr eine zuk\u00fcnftige Leuchtdichte- und Kontrastplanung.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\" style=\"overflow: hidden; position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px;\">In diesem Beitrag werden die neuesten wissenschaftliche Erkenntnisse zusammengefasst vorgestellt und es werden einige Implikationen f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Licht- und Beleuchtungsforschung bzw. -planung diskutiert.<\/div>\n<p>Asthenopische Beschwerden sind Augenbeschwerden, welche nach Erbringen hoher Sehleistungen auftreten. Sie wurden bereits in den 1950er Jahren im Zusammenhang mit der Verbreitung der Leuchtstofflampe diskutiert. Auch die Einf\u00fchrung von Bildschirmger\u00e4ten im B\u00fcro in den 1980er Jahren f\u00fchrte zu einer Zunahme von Klagen \u00fcber Augenbeschwerden. Diese sind in der Folge bis heute Thema wissenschaftlicher Untersuchungen geworden. In diesem Beitrag werden Ergebnisse solcher Untersuchungen diskutiert, soweit sie im Zusammenhang mit der Beleuchtung am Arbeitsplatz stehen.<\/p>\n<p>Asthenopische Beschwerden lassen sich einteilen in:<\/p>\n<p>a)\u00a0\u00a0 \u00a0Augenreizung: Augenbrennen, Augenr\u00f6tung, Gef\u00fchl von Sand in den Augen, trockene oder tr\u00e4nende Augen<br \/>\nb)\u00a0\u00a0 \u00a0Sehbeschwerden: erh\u00f6hte Licht- und Flimmerempfindlichkeit, verschwommenes und doppeltes Sehen, Schleiersehen<br \/>\nc)\u00a0\u00a0 \u00a0Cerebrale Beschwerden: Kopfschmerzen, Erm\u00fcdung, Schwindelgef\u00fchl<\/p>\n<p>Die H\u00e4ufigkeit solcher Anzeichen f\u00fcr eine \u00dcberforderung der Augen werden teils subjektiv mit Fragebogen erfasst, teils wurden Versuche unternommen, diese durch physiologische Messungen zu objektivieren. So konnten etwa eine reduzierte Akkommodationsbreite und -geschwindigkeit mit einer Zunahme asthenopischer Symptome assoziiert werden. Aber auch psychologische Faktoren wie das soziale Klima und die Zufriedenheit zeigten eine moderierende Wirkung auf die Wahrnehmung der Beschwerden.<\/p>\n<p>Als Ursache asthenopischer Beschwerden kommen neben Schwierigkeit und Dauer der Sehaufgabe und individuellen Faktoren wie z.B. Sehfehler auch Aspekte der Beleuchtung in Frage. Diskutiert werden das Beleuchtungsniveau, hohe Kontraste im Gesichtsfeld sowie das Flimmern und die spektrale Verteilung des Lichts. Ein erh\u00f6htes Beleuchtungsniveau kann die Sehleistung erh\u00f6hen und es vergr\u00f6ssert \u00fcber eine Reduktion des Pupillendurchmessers die Sch\u00e4rfentiefe. Dadurch wird defokussiertes Sehen weniger belastend. Es zeigten sich Assoziationen zwischen hohen Kontrasten im Gesichtsfeld, vermehrten Sehbeschwerden und einer verst\u00e4rkten Myopisierung. Letzteres m\u00f6glicherweise weil Blicke in die Ferne im Umfeld der Sehaufgabe vermehrt gemieden werden. Auch flimmerndes Licht zeigte einen deutlichen Einfluss auf Augenbeschwerden, welche aber mit der Verbreitung elektronischer Vorschaltger\u00e4te (EVG) in Zukunft von geringerer Bedeutung sein d\u00fcrften. Hypothetische Zusammenh\u00e4nge zwischen Lichtspektrum und Beschwerden konnten in eigenen Untersuchungen widerlegt werden. Da die visuelle Gestaltung eines Raumes auch die Zufriedenheit beeinflusst, sollte auch eine indirekte Wirkung der Beleuchtung auf die Wahrnehmung der Beschwerden zu erwarten sein.<\/p>\n<h2>Beitrag<\/h2>\n<h3>1. EINLEITUNG<\/h3>\n<p>Asthenopische Beschwerden sind Augenbeschwerden, die nach Erbringen hoher Sehleistungen auftreten. Gehen sie einher mit einer St\u00f6rung des Sehvorgangs, spricht man auch von visueller Erm\u00fcdung. Die durch Sehaufgaben hervorgerufene psychische und physische Beanspruchung zeigt sich in einer verminderten Wirksamkeit der f\u00fcr die Aufnahme, Verarbeitung und Umsetzung visueller Information verantwortlichen Prozesse. Als Ursache kommen neben Schwierigkeit und Dauer der Sehaufgabe und individuellen Faktoren wie z.B. Sehfehlern auch Aspekte der Beleuchtung in Frage. Diskutiert werden das Beleuchtungsniveau, hohe Kontraste im Gesichtsfeld, Kontrastminderung bei der Sehaufgabe sowie Flimmern und spektrale Verteilung des Lichts.<\/p>\n<p>Asthenopische Beschwerden werden seit den 1950er Jahren mit der Verbreitung der Leuchtstofflampen diskutiert. Viele Studien suchten ein einfach anzuwendendes objektives Ma\u00df, welches zum einen mit dem subjektiven Erleben der Beschwerden assoziiert ist. Zum andern sollte visuelle Erm\u00fcdung von allgemeiner Erm\u00fcdung und von Adaptationsvorg\u00e4ngen zu trennen sein. Untersucht wurden visuelle Funktionen wie Flimmerverschmelzungsfrequenz, Kontrastdetektion, Sehleistung (Geschwindigkeit, Genauigkeit) und elektro-optische Sensitivit\u00e4t (Phosphene), sowie physiologische Funktionen wie Muskeltonus, und -tremor der Finger, H\u00f6rschwelle, Augenbewegungen, Lidschlagrate, Pupillendurchmesser sowie Ausma\u00df und Dauer der Augenfokussierung (Akkommodation). 1970 konstatierten Hopkinson und Collins, dass sich auch nach einer langen, intensiven Forschungsperiode keine Methode abzeichnete, die valide und sensitiv genug war, um als objektiven Ersatz f\u00fcr subjektive Aussagen dienen zu k\u00f6nnen. Viele der erfolgversprechenden Ans\u00e4tze konnten in Folgestudien nicht best\u00e4tigt werden.<\/p>\n<p>Mit Aufkommen der Bildschirme im B\u00fcro in den 1980er Jahren h\u00e4uften sich die Klagen \u00fcber Augenbeschwerden. Sie sind bis heute Thema wissenschaftlicher Untersuchungen. Neuere Erkenntnisse beruhen daher zumeist auf Studien \u00fcber Bildschirmarbeit. Asthenopische Beschwerden lassen sich einteilen in:<\/p>\n<p>a)\u00a0\u00a0\u00a0 Augenreizung: Augenbrennen, Augenr\u00f6tung, Gef\u00fchl von Sand in den Augen, trockene oder tr\u00e4nende Augen<br \/>\nb)\u00a0\u00a0\u00a0 Sehbeschwerden: erh\u00f6hte Licht- und Flimmerempfindlichkeit, verschwommenes und doppeltes Sehen, Schleiersehen<br \/>\nc)\u00a0\u00a0\u00a0 Cerebrale Beschwerden: Kopfschmerzen, Erm\u00fcdung, Schwindelgef\u00fchl<\/p>\n<h2>Augenreizung<\/h2>\n<p>Eine direkte Reizung der Augen mit Licht ist bei erh\u00f6htem UV-Anteil denkbar. Entz\u00fcndungen der Hornhaut und der Bindehaut sind die Folge. Untersuchungen der UV-Anteile bei handels\u00fcblichen Lichtquellen ergeben aber Werte weit unterhalb internationaler Grenzwerte.<\/p>\n<p>In einer Studie \u00fcber Bildschirmarbeit zeigte sich ein positiver Zusammenhang zwischen Lichtempfindlichkeit und der Aufstellh\u00f6he des Bildschirms. Die Autoren vermuten, dass das Anheben der Blickrichtung die Anzahl Lidschl\u00e4ge reduziert und die freie Corneaoberfl\u00e4che vergr\u00f6\u00dfert. Dieses Ergebnis w\u00e4re auch f\u00fcr Lichtgebungen relevant, wenn sich zeigen sollte, dass die Beleuchtung Einfluss auf die H\u00e4ufigkeit der Blickrichtungen nehmen kann. Denkbar w\u00e4re z.B. das Vermeiden von Blicken in Richtung zu dunkler oder zu heller Fl\u00e4chen, die eine starke Umadaptation verlangen. So waren inad\u00e4quate Beleuchtungsniveaus und zu hohe Leuchtdichtekontraste mit einer Zunahme von Augenreizungen und einer vor\u00fcbergehenden Kurzsichtigkeit (Myopisierung) assoziiert . Die Myopisierung deutet darauf hin, dass die Blicke sich geh\u00e4uft auf den Bildschirm konzentrierten und ein entspannender Blick in andere Richtungen vermieden wurde. Auch in einer anderen Studie nahmen Augenreizungen mit zunehmendem Kontrast zwischen Bildschirm und Schreibvorlage zu. Die Frage, ob hier ein Zusammenhang mit dem Blickbewegungsmuster hergestellt werden kann, bleibt weiteren Untersuchungen vorbehalten.<\/p>\n<h2>Sehbeschwerden &#8211; Beschwerden bei der Informationsaufnahme<\/h2>\n<p>Beschwerden bei der Informationsaufnahme sind weniger auf physiologische Erm\u00fcdung der Rezeptoren als vielmehr auf eine verminderte analytische Gegenstandserfassung zur\u00fcckzuf\u00fchren. Umadaptieren auf unterschiedliche Helligkeiten oder Farben f\u00fchrt nicht direkt zu visueller Erm\u00fcdung, da dabei nur chemische Gleichgewichtszust\u00e4nde verschoben werden. Die vor\u00fcbergehend erh\u00f6hte neuronale Aktivit\u00e4t ist eher als Aktivierung denn als Erm\u00fcdung zu verstehen. Eine Ursache f\u00fcr Sehbeschwerden k\u00f6nnte hingegen in der erh\u00f6hten Aktivit\u00e4t innerer und \u00e4u\u00dferer Augenmuskeln zu finden sein. Nach zweist\u00fcndiger Bildschirmarbeit wurden Geschwindigkeit, Amplitude und Entspannungsgeschwindigkeit der Akkommodation kleiner. Dieses Ergebnis unterst\u00fctzt somit die Hypothese einer Erm\u00fcdung des Ziliarmuskels. Um ein Objekt in der Distanz OD deutlich sehen zu k\u00f6nnen, muss es mit einem ausreichend gro\u00dfen Kontrast auf der Netzhaut abgebildet werden. Daf\u00fcr muss das Auge einen gewissen Akkommodationsaufwand AA erbringen, wobei die Sch\u00e4rfentiefe ST und die Akkommodationsruhelage AR unterst\u00fctzend wirken. Dies l\u00e4sst sich wie folgt formulieren:<\/p>\n<p>OD [dpt] = 0.5 \u00b7 ST [dpt] + AA [dpt] + AR [dpt]\u00a0\u00a0\u00a0 (1)<\/p>\n<p>Die AR wird vom Auge im Dunkeln bzw. in strukturloser Umgebung eingestellt. Sie stellt ein Gleichgewicht parasympathischer und sympathischer nerv\u00f6ser Erregung des Ziliarmuskels dar und gilt als die Distanzeinstellung geringster Beanspruchung. Ihr Wert von rund 1.5 dpt ist inter- und intraindividuell sehr variabel. Er vergr\u00f6\u00dfert sich nach l\u00e4nger dauernder Nahakkommodation (Myopisierung) und bildet sich nach ca. 20 min oder nach wenigen Sekunden mit geschlossenen Augen wieder zur\u00fcck. Das w\u00e4re bei einer echten Muskelerm\u00fcdung nicht zu erwarten. Vielmehr hat die AR von Personen mit asthenopischen Beschwerden einen vergleichsweise geringen Dioptrienwert. Muskul\u00e4re Erm\u00fcdung ist somit eher bei AA zu suchen und muss umso gr\u00f6\u00dfer sein, je kleiner AR und ST sind. Soll die muskul\u00e4re Dauerleistung nicht mehr als 15% der Maximalleistung betragen, k\u00f6nnen auf Dauer 30-j\u00e4hrige einen AA von 1.15 dpt und 50-j\u00e4hrige einen von 0.15 dpt leisten.<\/p>\n<p>Zusammen mit der AR ergibt dies Distanzen von 38 cm bzw. 60 cm. Ist das Sehobjekt n\u00e4her, muss die Person entweder durch Wechseln der Blickrichtung zwischen unterschiedlich entfernten Objekten vermehrt zu dynamischer Muskelarbeit \u00fcbergehen oder die Beleuchtung ist so zu optimieren, dass ST m\u00f6glichst gro\u00df wird. Ist umgekehrt die Sichtbarkeit (Gr\u00f6\u00dfe, Kontrast) des Sehobjekts schlecht &#8211; z.B. wegen zu geringer Helligkeit oder wegen Spiegelungen auf der Sehaufgabe -, muss es n\u00e4her zum Auge gef\u00fchrt werden und bewirkt eine erh\u00f6hte Beanspruchung des Ziliarmuskels. Die Sch\u00e4rfentiefe ST &#8211; die Toleranz f\u00fcr Defokussierung &#8211; h\u00e4ngt von der Pupillengr\u00f6\u00dfe des Auges ab: Mit kleiner Pupille wird der Kontrast auf der Netzhaut durch Defokussierung weniger gemindert, ST somit vergr\u00f6\u00dfert. Eine kleine Pupille wird mit hohen Leuchtdichten im Gesichtsfeld erreicht. ST verringert sich f\u00fcr sehr fein strukturierte Objekte oder f\u00fcr z.B. durch Lichtspiegelung verminderte Kontraste. Eine zus\u00e4tzliche Reduktion des Kontrasts auf der Netzhaut entsteht durch Streulicht im Auge (physiologische Blendung).<\/p>\n<p>Die verminderte analytische Gegenstandserfassung zeigt sich nicht nur in der verminderten Detailerkennung, sondern auch in einer Verkleinerung des Gesichtsfeldes, einer Unsicherheit im Farbenerkennen und in einem verminderten Tiefensehen. Letzteres wird begleitet durch zunehmende St\u00f6rungen der Fusion bis zur Tolerierung von Doppelbildern. Hypothetische Zusammenh\u00e4nge zwischen Lichtspektrum und Beschwerden konnten in eigenen Untersuchungen widerlegt werden. Die chromatische Aberration bewirkt, dass das Auge im extremen Blau \u00fcber 2 dpt kurzsichtig ist. Bei Licht f\u00fcr Beleuchtungszwecke betr\u00e4gt der Unterschied zwischen tageslichtwei\u00df und warmwei\u00df aber nur noch rund 0.1 dpt und wird daher bedeutungslos. Auch flimmerndes Licht zeigte einen deutlichen Einfluss auf Augenbeschwerden. Eine Verminderung der Lichtwelligkeit f\u00fchrte zu einer Reduktion der subjektiven Erm\u00fcdung. Mit der Verbreitung hochfrequenter elektronischer Vorschaltger\u00e4te (EVG) d\u00fcrfte dieses Problem immer weniger von Bedeutung sein.<\/p>\n<h2>Cerebrale Beschwerden &#8211; Beschwerden bei der Informationsverarbeitung<\/h2>\n<p>Zunehmende Erm\u00fcdung bewirkt fehlerhafte Gedankenverkn\u00fcpfungen von Reizmustern mit Begriffs- oder Verhaltensmustern. Au\u00dferdem laufen zus\u00e4tzliche unspezifische Assoziationen in das Bewusstsein ein. Die Aufmerksamkeit wird zunehmend durch aufgabenfremde Inhalte oder sogar durch Fehlwahrnehmungen beansprucht. Daher muss eine fortw\u00e4hrende Selektion stattfinden, die sogar dazu f\u00fchren kann, dass einzelne Denkoperationen wiederholt werden m\u00fcssen. Starke Erm\u00fcdung macht sich durch Reaktionspausen und eine verz\u00f6gerte Fehlerkorrektur bemerkbar. Au\u00dferdem wird eine mangelnde Disziplinierung der Person erkennbar. Die Kriterien der Informationsverarbeitung unterscheiden nicht zwischen visueller und allgemeiner Erm\u00fcdung. Zudem kann Licht eine unspezifische aktivierende Wirkung auf das Zentralnervensystem aus\u00fcben. Eine Abnahme zentralnerv\u00f6ser Funktionsbereitschaft kann in der Aktivit\u00e4t der Augenmuskulatur beobachtet werden. Es zeigt sich etwa mit der Erm\u00fcdung bei den Blickbewegungen eine Zunahme der Fixationszeiten und der Anzahl der Korrektursakkaden. Da dies die Informationsaufnahme zus\u00e4tzlich st\u00f6rt, sollte es auch in den Themenkreis der visuellen Erm\u00fcdung eingeordnet werden.<\/p>\n<p>Insbesondere bei subjektiven Erhebungsmethoden darf nicht vergessen werden, dass andere psychologische und emotionale Faktoren die Wahrnehmung der Beanspruchung moderieren. Unter Konstanz von Faktoren wie Beleuchtung und Arbeitslast konnten 30% der Variabilit\u00e4t in der visuellen Erm\u00fcdung mit Faktoren wie sozialem Klima, Selbstwertgef\u00fchl oder Arbeitszufriedenheit aufgekl\u00e4rt werden. Da die visuelle Gestaltung eines Raums ebenfalls die Zufriedenheit beeinflusst, l\u00e4sst auch diese eine indirekte Wirkung auf die Wahrnehmung von Beschwerden erwarten. Jedenfalls traten bereits bei Einf\u00fchrung der Fluoreszenzlampen visuelle Beschwerden dort geh\u00e4uft auf, wo die Belegschaft nicht beteiligt, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt wurde.<\/p>\n<h2>Diskussion<\/h2>\n<p>Zur Vermeidung von Sehbeschwerden sollte die Beleuchtung:<\/p>\n<p>a)\u00a0\u00a0\u00a0 Wechsel der Blickrichtungen f\u00fcr dynamische Muskelarbeit nicht durch zu gro\u00dfe Helligkeitsunterschiede zwischen Sehaufgabe und Umgebung behindern (Vermeiden von Blendquellen),<br \/>\nb)\u00a0\u00a0\u00a0 mit gen\u00fcgend Licht im Raum eine kleine Pupillenweite und damit eine gro\u00dfe Sch\u00e4rfentiefe erm\u00f6glichen (ausreichende Leuchtdichten der Raumbegrenzungsfl\u00e4chen und der Sehaufgabe),<br \/>\nc)\u00a0\u00a0\u00a0 mit gen\u00fcgend Licht auf dem Sehobjekt eine hohe Sehsch\u00e4rfe und Kontrastempfindlichkeit erm\u00f6glichen (ausreichendes Beleuchtungsniveau bei der Sehaufgabe),<br \/>\nd)\u00a0\u00a0\u00a0 Sehobjektkontraste nicht durch Spiegelung mindern,<br \/>\ne)\u00a0\u00a0\u00a0 nicht mit zu vielen visuellen Distraktoren die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.<br \/>\nDen gesamten illustrierten Beitrag k\u00f6nnen Sie hier als PDF-Datei einsehen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.lichtundgesundheit.de\/cyberlux\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/schierz_beitrag2.pdf\">schierz_beitrag2<\/a><\/p>\n<p>eingestellt in CyberLux: 6. Dezember 2002<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: Christoph Schierz Kurzfassung In den letzten Jahren diskutiert auch die Lichttechnik in zunehmendem Mass unspezifische biologische Lichtwirkungen, welche nicht durch den f\u00fcr das Sehen verantwortlichen spezifischen neuronalen Pfad vermittelt werden. So erlangt die in den 50er Jahren entdeckte retino-hypothalamische Bahn <a href=\"http:\/\/www.lichtundgesundheit.de\/cyberlux\/?p=84\"> Read more&#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[133,132,8],"tags":[98,104,107,113,119,120,217,124],"class_list":["post-84","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-asthenopische-beschwerden","category-licht-und-asthenopie","category-lundg","tag-arbeit","tag-cyberlux","tag-ges","tag-licht","tag-sehaufgabe","tag-sicherheit","tag-daylight","tag-uv"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.lichtundgesundheit.de\/cyberlux\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/84","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.lichtundgesundheit.de\/cyberlux\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.lichtundgesundheit.de\/cyberlux\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.lichtundgesundheit.de\/cyberlux\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.lichtundgesundheit.de\/cyberlux\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=84"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.lichtundgesundheit.de\/cyberlux\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/84\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":780,"href":"http:\/\/www.lichtundgesundheit.de\/cyberlux\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/84\/revisions\/780"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.lichtundgesundheit.de\/cyberlux\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=84"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.lichtundgesundheit.de\/cyberlux\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=84"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.lichtundgesundheit.de\/cyberlux\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=84"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}