{"id":74,"date":"2009-07-19T14:45:15","date_gmt":"2009-07-19T12:45:15","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost:8888\/wordpress\/?p=74"},"modified":"2009-10-21T15:33:46","modified_gmt":"2009-10-21T13:33:46","slug":"unspezifische-biologische-lichtwirkungen-am-arbeitsplatz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.lichtundgesundheit.de\/cyberlux\/?p=74","title":{"rendered":"Unspezifische biologische Lichtwirkungen am Arbeitsplatz"},"content":{"rendered":"<h3>Autor:<\/h3>\n<h2><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Christoph Schierz<\/span><\/h2>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif; color: #000000;\">Kurzfassung<\/span><\/h2>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif; color: #000000;\"> <\/span><\/p>\n<div id=\"_mcePaste\" style=\"overflow: hidden; position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px;\">In den letzten Jahren diskutiert auch die Lichttechnik in zunehmendem Mass unspezifische biologische Lichtwirkungen, welche nicht durch den f\u00fcr das Sehen verantwortlichen spezifischen neuronalen Pfad vermittelt werden. So erlangt die in den 50er Jahren entdeckte retino-hypothalamische Bahn derzeit erneut die Aufmerksamkeit von Lichtplanern und Arbeitswissenschaftlern. Es zeigte sich, dass diese Lichtwirkungen wichtige biologische Vorg\u00e4nge im Menschen vermitteln. Es seien namentlich die zeitliche Positionierung der circadianen Rhythmik, der Abbau von Melatonin in der Nacht sowie die Steigerung des Wachheitsgrades und der K\u00f6rpertemperatur genannt. Saisonale Depressionen k\u00f6nnen mit Licht behandelt werden.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\" style=\"overflow: hidden; position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px;\">Die neuesten Untersuchungen am Menschen lassen vermuten, dass neben der Wirkung von Licht auf die Sehleistung neue \u00dcberlegungen zu den unspezifischen Lichtwirkungen in die Lehrb\u00fccher einfliessen m\u00fcssen. Bisher ging man davon aus, dass hohe Beleuchtungsst\u00e4rken von 2500 lx und mehr f\u00fcr diese Wirkungen notwendig seien. Inzwischen ergeben neueste Untersuchungen aber, dass die 50%-Wirkungsschwellen f\u00fcr unspezifische Lichtwirkungen wie Melatoninabbau, Verschiebung der circadianen Rhythmik und Steigerung des subjektiv und physiologisch bestimmten Wachheitsgrads zwischen 90 und 180 lx vertikaler Beleuchtungsst\u00e4rke am Auge liegen. Das bedeutet, dass bereits heutige Lichtgebungen biologisch wirksam sind.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\" style=\"overflow: hidden; position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px;\">Des weiteren deuten Forschungsresultate darauf hin, dass die spektrale Empfindlichkeit der unspezifischen biologischen Wirkungen stark von der bekannten spektralen Hellempfindlichkeit V-Lambda abweicht. Zudem erwies sich intermittierendes Licht als viel effektiver im Verschieben der circadianen Rhythmik im Vergleich zu kontinuierlichem Licht gleicher Dosis. In Anbetracht dessen, dass wir durch st\u00e4ndige Augenbewegungen zum Beispiel zwischen Fenster, Raumbegrenzungsfl\u00e4chen und Arbeitsfl\u00e4che eine st\u00e4ndig sich \u00e4ndernde Lichtmenge auf der Netzhaut erzeugen, ist auch dieses Ergebnis von grosser Bedeutung f\u00fcr eine zuk\u00fcnftige Leuchtdichte- und Kontrastplanung.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\" style=\"overflow: hidden; position: absolute; left: -10000px; top: 0px; width: 1px; height: 1px;\">In diesem Beitrag werden die neuesten wissenschaftliche Erkenntnisse zusammengefasst vorgestellt und es werden einige Implikationen f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Licht- und Beleuchtungsforschung bzw. -planung diskutiert.<\/div>\n<p>In den letzten Jahren diskutiert auch die Lichttechnik in zunehmendem Mass unspezifische biologische Lichtwirkungen, welche nicht durch den f\u00fcr das Sehen verantwortlichen spezifischen neuronalen Pfad vermittelt werden. So erlangt die in den 50er Jahren entdeckte retino-hypothalamische Bahn derzeit erneut die Aufmerksamkeit von Lichtplanern und Arbeitswissenschaftlern. Es zeigte sich, dass diese Lichtwirkungen wichtige biologische Vorg\u00e4nge im Menschen vermitteln. Es seien namentlich die zeitliche Positionierung der circadianen Rhythmik, der Abbau von Melatonin in der Nacht sowie die Steigerung des Wachheitsgrades und der K\u00f6rpertemperatur genannt. Saisonale Depressionen k\u00f6nnen mit Licht behandelt werden.<\/p>\n<p>Die neuesten Untersuchungen am Menschen lassen vermuten, dass neben der Wirkung von Licht auf die Sehleistung neue \u00dcberlegungen zu den unspezifischen Lichtwirkungen in die Lehrb\u00fccher einfliessen m\u00fcssen. Bisher ging man davon aus, dass hohe Beleuchtungsst\u00e4rken von 2500 lx und mehr f\u00fcr diese Wirkungen notwendig seien. Inzwischen ergeben neueste Untersuchungen aber, dass die 50%-Wirkungsschwellen f\u00fcr unspezifische Lichtwirkungen wie Melatoninabbau, Verschiebung der circadianen Rhythmik und Steigerung des subjektiv und physiologisch bestimmten Wachheitsgrads zwischen 90 und 180 lx vertikaler Beleuchtungsst\u00e4rke am Auge liegen. Das bedeutet, dass bereits heutige Lichtgebungen biologisch wirksam sind.<\/p>\n<p>Des weiteren deuten Forschungsresultate darauf hin, dass die spektrale Empfindlichkeit der unspezifischen biologischen Wirkungen stark von der bekannten spektralen Hellempfindlichkeit V-Lambda abweicht. Zudem erwies sich intermittierendes Licht als viel effektiver im Verschieben der circadianen Rhythmik im Vergleich zu kontinuierlichem Licht gleicher Dosis. In Anbetracht dessen, dass wir durch st\u00e4ndige Augenbewegungen zum Beispiel zwischen Fenster, Raumbegrenzungsfl\u00e4chen und Arbeitsfl\u00e4che eine st\u00e4ndig sich \u00e4ndernde Lichtmenge auf der Netzhaut erzeugen, ist auch dieses Ergebnis von grosser Bedeutung f\u00fcr eine zuk\u00fcnftige Leuchtdichte- und Kontrastplanung.<\/p>\n<p>In diesem Beitrag werden die neuesten wissenschaftliche Erkenntnisse zusammengefasst vorgestellt und es werden einige Implikationen f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Licht- und Beleuchtungsforschung bzw. -planung diskutiert.<\/p>\n<h2>Beitrag<\/h2>\n<h3>1. EINLEITUNG<\/h3>\n<p>In den letzten Jahren werden auch in der Lichttechnik in zunehmendem Ma\u00df unspezifische biologische Lichtwirkungen diskutiert. Diese werden nicht durch den f\u00fcr das Sehen verantwortlichen spezifischen neuronalen Pfad \u00fcbertragen. So erlangt die in den 50er Jahren entdeckte retino-hypothalamische Bahn derzeit erneut die Aufmerksamkeit von Lichtplanern und Arbeitswissenschaftlern. Es zeigte sich, dass unspezifische Lichtwirkungen wichtige biologische Vorg\u00e4nge im Menschen vermitteln. Namentlich genannt seien:<\/p>\n<ul>\n<li>a)<span style=\"white-space: pre;\"> <\/span>die Unterdr\u00fcckung der Melatonin-Produktion in der Nacht,<\/li>\n<li>b)<span style=\"white-space: pre;\"> <\/span>die zeitliche Positionierung der circadianen Rhythmik,<\/li>\n<li>c)<span style=\"white-space: pre;\"> <\/span>die Steigerung des Wachheitsgrades,<\/li>\n<li>d)<span style=\"white-space: pre;\"> <\/span>die erfolgreiche Behandlung saisonaler Depressionen (SAD) mit Lichttherapie.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bisher ging man von hohen Beleuchtungsst\u00e4rken &gt; 2500 lx f\u00fcr diese Wirkungen aus. Einige Lichtplaner leiteten daraus ab, die derzeitigen Normen zwingen die Lichtbenutzer dazu, in der &#8222;biologischen Dunkelheit&#8220; zu leben. Inzwischen ergeben neueste Untersuchungen aber, dass die 50%-Wirkungsschwellen f\u00fcr unspezifische Lichtwirkungen wie Melatonin-Suppression, Verschiebung der circadianen Rhythmik und Steigerung des subjektiv und physiologisch bestimmten Wachheitsgrads zwischen 90 und 180 lx vertikaler Beleuchtungsst\u00e4rke am Auge liegen. Sogar mit nur 5.5 lx monochromatischen Lichts (509 nm) konnte der Melatoningehalt im Blut um 37% reduziert werden [3]. Bei der Behandlung von SAD-Patienten mit Lichttherapie werden aber weiterhin mindestens 2500 lx empfohlen. Allerdings wird \u00fcber vereinzelte Therapie-Erfolge mit dem sogenannten Lichthelm &#8211; einer Art lichtspendender Schirmm\u00fctze &#8211; ab 30 lx berichtet . Eventuell handelt es sich hierbei auch um einen Placebo-Effekt.<\/p>\n<p>Offenbar k\u00f6nnen auch heutige Lichtgebungen biologisch wirksam sein. Eine abschlie\u00dfende Beurteilung f\u00e4llt aber schwer, weil die Labor-Ergebnisse schwer in die Praxis zu \u00fcbertragen sind. Es fehlen wesentliche Informationen. Die im folgenden diskutierten Aspekte werfen auch die Frage auf, ob die genannten Wirkungen \u00fcber die selben Rezeptoren und neuronalen Netze vermittelt werden. Nicht im Detail diskutiert wird die noch umstrittene Bedeutung der unspezifischen Lichtwirkungen f\u00fcr Gesundheit und Wohlbefinden.<\/p>\n<h3>2. ASPEKTE EINER PHOTOMETRIE UNSPEZIFISCHER LICHTWIRKUNGEN<\/h3>\n<p>Bisherige Beleuchtungsplanung und -bewertung beruht auf den jahrzehnte alten Erfahrungen der Photometrie. Den Gr\u00f6\u00dfen wie Beleuchtungsst\u00e4rke in Lux oder Leuchtdichte in cd\/m\u00b2 liegt die \u00dcberlegung zugrunde, dass das Sichtbarmachen von Objekten die Hauptaufgabe nat\u00fcrlicher oder k\u00fcnstlicher Beleuchtung ist. So simuliert ein Luxmeter die spektrale Empfindlichkeit der Netzhaut f\u00fcr ein 2-Grad-Gesichtsfeld am Ort der Netzhautgrube (Fovea), der Stelle sch\u00e4rfsten Sehens. Ein Leuchtdichte-Photometer simuliert zus\u00e4tzlich die optischen Eigenschaften des Auges f\u00fcr Abbildungen an diese Stelle.<\/p>\n<p>Unspezifische Lichtwirkungen verlangen offenbar neue photometrische Masse. Evtl. k\u00f6nnen auch bisherige photometrische Gr\u00f6\u00dfen mit Korrekturfaktoren und Zusatzmessungen erg\u00e4nzt werden. M\u00f6gliche \u00c4nderungen ergeben sich bei der spektralen, der r\u00e4umlichen und der zeitlichen Integration des Lichts. Daf\u00fcr muss bekannt sein, welche spektralen Empfindlichkeiten die zust\u00e4ndigen Rezeptoren besitzen, wie sich deren Signale \u00fcber die Netzhaut summieren (oder auch hemmen) und welches deren zeitliches Adaptationsverhalten ist. Abgesehen von der Tatsache, dass die Datenlage noch sehr unvollst\u00e4ndig ist, stehen der Ermittlung solcher Korrekturfaktoren weitere Schwierigkeiten im Wege.<\/p>\n<h4>2.1 Zur r\u00e4umlichen Integration<\/h4>\n<p>Eine Schwierigkeit liegt in der Forschungspraxis begr\u00fcndet, f\u00fcr die Lichtintensit\u00e4t die vertikale Beleuchtungsst\u00e4rke an der Hornhaut (Cornea) des Auges zu verwenden. Eine 5 cm gro\u00dfe, 50&#8217;000 cd\/m\u00b2 helle Gl\u00fchlampe in 1 m Entfernung erzeugt dieselbe Beleuchtungsst\u00e4rke von 100 lx auf der Hornhaut, wie eine gro\u00dffl\u00e4chige Lichtquelle mit weniger als 50 cd\/m\u00b2. Man geht also implizit davon aus, dass intensives, auf eine Stelle der Netzhaut fokussiertes Licht dieselbe Wirkung hat, wie entsprechend weniger intensives, aber \u00fcber die ganze Netzhaut verteiltes Licht. F\u00fcr eine ad\u00e4quate Beurteilung der Lichtintensit\u00e4t m\u00fcsste nicht die Hornhaut-Beleuchtungsst\u00e4rke sondern diejenige auf jeder Netzhautstelle bekannt sein. Letztere ist proportional zur Leuchtdichte des vom Auge abgebildeten Objekts, z.B. der Lichtquelle. Viele Arbeiten erl\u00e4utern die Lichtbedingungen im Experiment nicht im Detail. Dadurch ist die Leuchtdichteverteilung und die Verteilung der Netzhautbeleuchtungsst\u00e4rke nicht mehr zu rekonstruieren.<\/p>\n<p>Die optischen Eigenschaften des Auges haben zur Folge, dass Lichtstrahlen mit unterschiedlichen Einfallswinkeln unterschiedlich hohe Beleuchtungsst\u00e4rken auf der Netzhaut erzeugen (Stichworte dazu sind: Asph\u00e4rische Hornhaut, Vignettierung durch Pupille, variierende optische Wegl\u00e4ngen und damit der Lichtabsorptionen, Kr\u00fcmmung der Netzhaut). Es resultiert eine Schw\u00e4chung der Beleuchtungsst\u00e4rke auf der Rezeptorfl\u00e4che mit zunehmendem Einfallswinkel. Diese f\u00e4llt aber nicht so stark aus, wie sie ein kosinus-korrigiertes Luxmeter vornimmt.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich bleibt das Auge unter nat\u00fcrlichen Bedingungen nicht fixiert. St\u00e4ndige Augenbewegungen &#8222;verschmieren&#8220; die Richtcharakteristik. Dabei spielt auch die zeitliche Tr\u00e4gheit der \u00dcbertragungskette eine Rolle. Erstaunlicherweise gibt es zur arbeitsplatzbezogenen H\u00e4ufigkeitsverteilung von Blickrichtungen kaum Literatur. Auch f\u00fcr Blendung und Helligkeitsadaptation w\u00e4re die Blickverteilung in vertikaler Richtung und der Einfluss von Fenstern von besonderem Interesse. Weitere moderierende Faktoren f\u00fcr unspezifische Lichtwirkungen sind die mit dem Alter abnehmende Transmission der Augenlinse und die mit der Adaptationsleuchtdichte variierende Pupillengr\u00f6\u00dfe. Letztere wirkt als Regler f\u00fcr Helligkeits\u00e4nderungen kompensierend.<\/p>\n<p>Weitgehend offen sind die Sensitivit\u00e4ten der Netzhautstellen f\u00fcr unspezifische Lichtwirkungen. Die ganze Netzhaut scheint beteiligt zu sein, wobei die Fovea &#8211; anders als bei spezifischen Lichtwirkungen &#8211; keine hervorragende Rolle spielt. Licht, das von oben ins Auge f\u00e4llt, unterdr\u00fcckt die Melatonin-Produktion wirksamer als Licht von unten. Danach ist die Netzhaut 23 Grad unterhalb der Fovea sensitiver als 23 Grad oberhalb. 30 Grad von der Seite einfallendes Licht zeigte sich von schl\u00e4fenseitig her kommend wirksamer als von der Nasenseite her. Hier wirkt aber normalerweise das zweite Auge kompensierend. F\u00fcr schl\u00e4fenseitige Einfallswinkel &gt;55 Grad ist dies aber nicht mehr der Fall, weil die Nase das andere Auge abdeckt. F\u00fcr Melatonin-Suppression sind zwei Augen wirksamer als eines allein. Von den spezifischen Lichtwirkungen her gesehen ist dies nicht selbstverst\u00e4ndlich: Ein\u00e4ugig erscheint die Umwelt nicht dunkler als zwei\u00e4ugig.<\/p>\n<p>Lichttherapie von SAD-Patienten wirkt auch dann, wenn nicht direkt auf die Lichtquelle geblickt wird. Die periphere Retina erscheint hier also als bedeutsam. Dass der bereits genannte Lichthelm bei einem hohen Prozentsatz von SAD-Patienten positiv wirkt, k\u00f6nnte auch durch die spezielle geometrische Lichtanordnung mit Licht von oben bedingt sein.<\/p>\n<h4>2.2 ZUR SPEKTRALEN INTEGRATION<\/h4>\n<p>Die spektrale Empfindlichkeit der Melatonin-Suppression zeigte sich gegen\u00fcber der bekannten spektralen Hellempfindlichkeit V-Lambda ins Blaue verschoben. Es wird diskutiert, wie dies mit Hilfe eines Korrekturfaktors in der Photometrie ber\u00fccksichtigt werden k\u00f6nnte. V-Lambda ist ein gewichtetes Mittel der spektralen Empfindlichkeiten von Rot?, Gr\u00fcn- und Blau-Zapfen. Die Gewichte entsprechen der H\u00e4ufigkeit dieser Rezeptoren. Ob eine solche Mittelung auch f\u00fcr unspezifische Wirkungen m\u00f6glich ist, oder ob man &#8211; wie Tierversuche es nahe legen &#8211; von neuen Rezeptoren ausgehen muss, ist noch nicht abschlie\u00dfend zu beurteilen. Auch in den Tierversuchen wurde bis jetzt nicht ausgeschlossen, dass Zapfen oder St\u00e4bchen einen zus\u00e4tzlichen Einfluss aus\u00fcben k\u00f6nnen. Wie Fig. 4 links zeigt, k\u00f6nnten beim Menschen die Blau-Zapfen beteiligt sein. Bei rot-gr\u00fcnblinden Personen (mit intaktem Blau-Rezeptor) konnte keine Ver\u00e4nderung der Melatonin-Suppression beobachtet werden. Hingegen wurde die circadiane Rhythmik mit rotem Licht (95% der Energie oberhalb von 600 nm) gleich gut verschoben, wie mit wei\u00dfem Licht. Dies unterst\u00fctzt die Vermutung, dass man bei verschiedenen unspezifischen Lichtwirkungen von verschiedenen Wirkmechanismen ausgehen muss.<\/p>\n<p>Auch andere unspezifische Wirkungen zeigen ein uneinheitliches Bild: Fr\u00fche Untersuchungen ergaben ein Ansteigen des Blutdrucks mit blauem Licht und ein Absinken mit rotem Licht; gr\u00fcnes oder gelbes Licht hatte keine signifikante Wirkung. Eigene Untersuchungen best\u00e4tigen eine im Vergleich zu warmwei\u00dfem Licht subjektiv anregende Wirkung von tageslichtwei\u00dfem Licht. Gr\u00fcnes Licht ist bei der Lichttherapie wirksamer als rotes Licht; wei\u00dfes Licht ist wirksamer als blaues (!) oder rotes. Vollspektrumlampen sind in der Lichttherapie nicht wirksamer als normale Leuchtstofflampen. Das von gewissen Vollspektrumlampen abgegebene UV-Licht ist f\u00fcr die Lichttherapie nicht notwendig, birgt aber das zus\u00e4tzliche Risiko einer Augensch\u00e4digung.<\/p>\n<h4>2.3 ZUR ZEITLICHEN INTEGRATION<\/h4>\n<p>Bis jetzt unklar ist, wie stark unspezifische Lichtwirkungen mit der Zeit adaptieren. Gem\u00e4\u00df Fig. 4 rechts bleibt nach einem exponentiellen Abfall die Melatoninkonzentration mehr oder weniger konstant, was nicht auf eine Adaptation hindeutet (der langsame Abfall h\u00e4ngt wohl mit der Fliessdynamik des Blutkreislaufs zusammen). Nicht die Belichtung in Lux-Stunden, sondern die Beleuchtungsst\u00e4rke bestimmt den Melatoningehalt: Drei Stunden mit 200 lx ergeben nicht den selben Gehalt wie eine Stunde mit 600 lx. Hingegen wird nat\u00fcrlich die Gesamtmenge des erzeugten Melatonins pro Nacht mit der Expositionsdauer geringer.<\/p>\n<p>Intermittierendes Licht verschiebt die circadiane Rhythmik deutlich effektiver als kontinuierliches Licht. Abwechslungsweise wurde f\u00fcr 5.3 min Licht mit 9500 lx ein- und f\u00fcr 19.7 min wieder ausgeschaltet. Dies ergibt f\u00fcr eine Dauer von 5 h eine Belichtung von 11&#8217;000 Lux-Stunden. Das sind 23% gegen\u00fcber kontinuierlichem Licht mit 47&#8217;500 Lux-Stunden. Die Wirkung betrug aber 71% derjenigen mit Dauerbelichtung. Dies kann als Adaptationseffekt gedeutet werden: Licht zu Beginn der Exposition ist wirksamer als sp\u00e4ter. Durch zwischenzeitliches Abschalten regeneriert das System und wird wieder empfindlicher. Intermittierendes Licht wirkt auch subjektiv stark aktivierend, sein Nutzen bei der Lichttherapie ist hingegen noch offen. Dort geht man davon aus, dass zwei Stunden mit 2500 lx gleich wirksam sind wie eine Stunde mit 5000 lx oder eine halbe Stunde mit 10&#8217;000 lx. Die Belichtung in Lux-Stunden scheint also die therapeutische Wirkung zu bestimmen.<\/p>\n<h3>3. DISKUSSION<\/h3>\n<p>Leben wir in der &#8222;biologischen Dunkelheit&#8220;? Dazu sind zwei Fragen zu diskutieren:<\/p>\n<p>a)<span style=\"white-space: pre;\"> <\/span>Wie viel &#8222;biologisch&#8220; wirksames Licht ist an Arbeitspl\u00e4tzen vorhanden?<\/p>\n<p>b)<span style=\"white-space: pre;\"> <\/span>Welche unspezifischen Lichtwirkungen sollen gef\u00f6rdert werden?<\/p>\n<p>Zu a): Zuerst ist festzuhalten, dass Normen niemanden zwingen, in zu dunklen R\u00e4umen zu leben; erst der unsachgem\u00e4\u00dfe Umgang damit zwingt dazu. Normen legen nur Minimalanforderungen fest. Seit jedoch Energiesparen angesagt ist und seit immer \u00f6fter auch Lichtexperten die Norm und nicht die Lichtwirkung als Argument verwenden, zeigt sich die Tendenz, den Inhalt von Normen als anzustrebende Optimall\u00f6sungen zu verstehen.<\/p>\n<p>Bei drei der vier diskutierten unspezifischen Lichtwirkungen wurden Schwellen von rund 100 lx nachgewiesen. \u00dcber das Ausma\u00df von Hornhaut-Beleuchtungsst\u00e4rken am Arbeitsplatz sind kaum Angaben in der Literatur zu finden. Eine Statistik f\u00fcr Nacht- und Tagw\u00e4chter ist in Fig. 5 rechts dargestellt. Je nach Alter der Person kann hier tats\u00e4chlich eine Unterversorgung mit Licht vorliegen. Solche Statistiken w\u00e4ren auch f\u00fcr andere Arbeitspl\u00e4tze eine wertvolle Hilfe. Orientierende Messungen im B\u00fcro zeigen ein deutlich g\u00fcnstigeres Bild. Es sind auch gro\u00dfe Beleuchtungsst\u00e4rkeunterschiede zu erkennen. Da wir durch fortw\u00e4hrende Augenbewegungen zum Beispiel zwischen Fenster, Raumbegrenzungsfl\u00e4chen und Arbeitsfl\u00e4che eine st\u00e4ndig sich \u00e4ndernde Lichtmenge auf der Netzhaut erzeugen, ist das in Kap. 2.3 vorgestellte Ergebnis mit intermittierendem Licht bedeutsam f\u00fcr eine zuk\u00fcnftige Leuchtdichte- und Kontrastplanung. Gem\u00e4ss Kap. 2.1 scheint auch Licht von oben &#8211; z.B. von einer hellen indirekt beleuchteten Decke &#8211; nicht &#8222;nur&#8220; von psychologischer Wirkung zu sein. Nicht allein das Beleuchten der Arbeitsfl\u00e4che ist somit Ziel guter Lichtgebung. Auch mit der Lichtfarbe (nicht aber mit dem Spektrum) lassen sich unspezifische Wirkungen moderieren.<\/p>\n<p>Zu b): Ergebnisse zur lichtinduzierten Unterdr\u00fcckung der n\u00e4chtlichen Melatonin-Produktion sind zur Zeit am einfachsten zu erfassen und werden daher in der Literatur am ausf\u00fchrlichsten beschrieben. F\u00fcr den Arbeitsplatz spielen sie kaum eine Rolle, da Melatonin nur in der Nacht entsteht. Die Abwesenheit von Melatonin am Tage liegt nicht an der unterdr\u00fcckenden Lichtwirkung: Auch ohne Licht entsteht dank einer Kopplung an den circadianen Rhythmus am Tage kein Melatonin. Auf andere unspezifische Lichtwirkungen lassen sich die Ergebnisse der Melatonin-Suppression angesichts der zum Teil divergierenden Aussagen wohl nicht ohne weiteres \u00fcbertragen. Auch die Verschiebung der circadianen Rhythmik findet haupts\u00e4chlich mit Licht in der Nacht statt. Au\u00dfer f\u00fcr Schicht- und Nachtarbeiter ist eine solche auch nicht erstrebenswert. Morgen- und Abendlicht, wie auch die neu beobachtete Lichtwirkung am Tag k\u00f6nnen aber helfen, den circadianen Rhythmus zu stabilisieren.<\/p>\n<p>In der aktivierenden Wirkung von Licht scheint gro\u00dfes Potential f\u00fcr die Beleuchtungspraxis zu stecken. Leider ist dies die am wenigsten untersuchte unspezifische Lichtwirkung. Auch hier sollte daran gedacht werden: Umso mehr ist nicht immer umso besser. Das Wohlbefinden und langfristig auch die Gesundheit stehen in einer umgekehrt U-f\u00f6rmigen Beziehung zur Aktivierung. Zu wenig wie auch zu viel Aktivierung ist beanspruchend.<\/p>\n<p>Die Lichttherapie kann gro\u00dfe Erfolge bei der Behandlung von SAD-Patienten aufweisen. Ob sie aber f\u00fcr Innenbeleuchtungen ma\u00dfgebend sein und damit auch f\u00fcr gesunde Personen angewandt werden soll ist fraglich. Immerhin klagen manchmal sogar einige Patienten \u00fcber Nebenwirkungen wie erh\u00f6hte Reizbarkeit und \u00dcberaktivit\u00e4t. Lichttherapie sollte wohl vorl\u00e4ufig eher wie ein Medikament behandelt werden, das man nicht der gesamten Bev\u00f6lkerung pr\u00e4ventiv verabreicht.<\/p>\n<p>Der gesamte Beitrag kann hier als pdf abgerufen werden:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/localhost:8888\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/schierz_beitrag1.pdf\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.lichtundgesundheit.de\/cyberlux\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/gfa02_text1_lang.pdf\">gfa02_text1_lang<\/a><\/p>\n<p>in CyberLux eingestellt am: 09.12.2002<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor: Christoph Schierz Kurzfassung In den letzten Jahren diskutiert auch die Lichttechnik in zunehmendem Mass unspezifische biologische Lichtwirkungen, welche nicht durch den f\u00fcr das Sehen verantwortlichen spezifischen neuronalen Pfad vermittelt werden. 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