{"id":489,"date":"2009-07-22T21:13:02","date_gmt":"2009-07-22T19:13:02","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost:8888\/wordpress\/?p=489"},"modified":"2009-07-22T21:13:02","modified_gmt":"2009-07-22T19:13:02","slug":"winterdepression","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.lichtundgesundheit.de\/cyberlux\/?p=489","title":{"rendered":"Winterdepression"},"content":{"rendered":"<h3>Autor<\/h3>\n<h2>Volker Faust<\/h2>\n<h3>Kurzfassung<\/h3>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Dass bei vielen Menschen Stimmung und Leistungsf\u00e4higkeit im Winter zu w\u00fcnschen \u00fcbrig lassen, wurde schon von den \u00c4rzten im antiken Griechenland vor mehr als 2.000 Jahren beschrieben. Das hat sich bis heute nicht ge\u00e4ndert, im Gegenteil. Immer h\u00e4ufiger h\u00f6rt man die Klage \u00fcber einen allgemeinen Einbruch von Stimmung und Antrieb, was schon im Sp\u00e4therbst beginnen kann und sich meist erst im Fr\u00fchling wieder aufl\u00f6st.<\/span><\/p>\n<h3>Beitrag<\/h3>\n<h3>Saisonalabh\u00e4ngige Depression (SAD) &#8211; Herbst-Winter-Depression &#8211; Lichtmangel-Depression &#8211; Seasonal Affective Disorder &#8211; Winterblues &#8211; Saisonal rezidivierende depressive St\u00f6rung<\/h3>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Wer kennt ihn nicht, wer beklagt ihn nicht, wer leidet nicht darunter, die Rede ist vom November, dem &#8222;tristesten Monat im Jahr&#8220;, Herbstende, Winteranfang, tr\u00fcbe, nasskalt, sonnenarm, schon fr\u00fcher gef\u00fcrchtet, inzwischen eine wachsende Zahl von Menschen bedr\u00fcckend, interessanterweise auch immer h\u00e4ufiger die junge Generation, die sich doch sonst gerne von nichts beeindruckt zeigt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><strong>Kurz<\/strong>: Der Monat November hat ein negatives Image &#8211; und das wird immer schlechter, teils meteorologisch, teils psychosozial bedingt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Nat\u00fcrlich hat dies alles nicht nur mit einem Monat zu tun, der nebenbei auch seine Reize haben kann, man muss sie nur erkennen und nutzen. Es ist etwas anderes, etwas, was fr\u00fchere Generationen besser verstanden und vor allem hinzunehmen gelernt hatten, was die &#8222;moderne Gesellschaft&#8220; glaubt \u00fcberspielen zu k\u00f6nnen &#8211; doch das Gegenteil droht: die Winter-Depression.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Jahreszeitlich abh\u00e4ngige Ver\u00e4nderungen von Stimmung, Antrieb und sogar physiologischen Parametern (also normalen Organfunktionen) sind seit alters her bekannt und schon in der Antike beschrieben, z. B. bei den griechischen \u00c4rzten Hippokrates (460 &#8211; 375 v. Chr.) und Aretajos (81 &#8211; 138 n. Chr.).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Dies gilt vor allem f\u00fcr den &#8222;Einbruch der Stimmung&#8220;, bis hin zu ausgepr\u00e4gten Depressionen, wie sie bevorzugt in diese Jahreszeit fallen. Statistisch ist dies allerdings zu korrigieren. Je nach Art der Depression sind es vor allem Fr\u00fchling und Herbst, die insbesondere die biologisch bestimmten Depressionen (fr\u00fcher endogene Depressionen genannt) auszul\u00f6sen pflegen. Erst danach kommen Sp\u00e4therbst\/Winter und an letzter Stelle der Sommer. Das ist die am wenigsten depressions-belastete Jahreszeit (auch wenn immer wieder einmal von einer so genannten &#8222;Sommer-Depression&#8220; die Rede ist &#8211; siehe sp\u00e4ter).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Doch die in der d\u00fcsteren \u00dcbergangsjahreszeit auftretenden Stimmungstiefs wurden aus psychiatrischer Sicht ebenfalls schon fr\u00fch beschrieben, beispielsweise vor \u00fcber 150 Jahren von dem deutschen Psychiater Professor Dr. W. Griesinger (s. u.) und seinem franz\u00f6sischen Kollegen Prof. Dr. E. Esquirol. Und sp\u00e4ter auch in mehreren wichtigen Hand- und Lehrb\u00fcchern erw\u00e4hnt, ob psychiatrisch (A. Pilcz, 1901; E. Kraepelin, 1915; O. Bumke, 1928) oder medizin-meteorologisch (W. Hellpach, 1911).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Doch nach und nach versank die Erfahrung der \u00e4lteren deutschen Psychiater-Generation in Vergessenheit (wie auch auf anderen Gebieten immer wieder zu registrieren ist, selbst \u00fcberliefertes Wissen muss offenbar immer wieder neu erarbeitet werden, weil man meint, bei den &#8222;Alten&#8220; sei ohnehin nichts Rechtes zu finden). Dies h\u00e4ngt auch damit zusammen, dass die Natur und ihre M\u00f6glichkeiten, Risiken und Gefahren erst wieder in den letzten Jahren entdeckt wurden, sei es diagnostisch (z. B. Winterdepression), sei es therapeutisch (Pflanzenheilmittel, Lichttherapie &#8211; s. sp\u00e4ter).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Immerhin gab es Mitte des 20. Jahrhunderts vereinzelte und danach sogar konkrete Hinweise, was Jahreszeit und seelische Krankheit anbelangt, insbesondere bez\u00fcglich der Winterdepressionen, die man interessanterweise auch &#8222;schlafende Depressionen&#8220; nannte. Erst vor rund zwei Jahrzehnten nahm sich eine Forschungsgruppe am National Institute of Mental Health (NIMH) in den USA systematisch dieses Ph\u00e4nomens an, sammelte umfangreiche Daten und erarbeitete diagnostische Kriterien, die schlie\u00dflich sogar in die Klassifikationen der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung (APA) in ihrem Diagnostischen und Statistischen Manual Psychischer St\u00f6rungen (DSM-III\/IV) eingingen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Und es interessierten sich zunehmend europ\u00e4ische, vor allem deutsche und \u00f6sterreichische Psychiater f\u00fcr diese Art medizinmeteorologisch relevanter seelischer St\u00f6rungen und trugen durch ihre wissenschaftlichen Arbeiten entscheidend zu unseren heutigen Erkenntnissen bei (z. B. in den Psychiatrischen Universit\u00e4ts-Kliniken Basel, T\u00fcbingen, Bonn, Wien u.a.).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Leider sind diese saisonal abh\u00e4ngigen Depressionsformen f\u00fcr die meisten Laien und sogar f\u00fcr die \u00fcberwiegende Mehrzahl der Betroffenen und ung\u00fcnstigerweise auch die sie betreuenden (Haus-)\u00c4rzte noch immer ein weitgehend unbekanntes Ph\u00e4nomen. Doch es tut sich etwas, besonders \u00fcber die beiden Schienen 1. Aufkl\u00e4rung und 2. Pr\u00e4vention (Vorbeugung).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Denn man kann gerade diese Art von &#8222;biologisch determinierter Depression&#8220; erstaunlich gut behandeln, und zwar wiederum vor allem auf nat\u00fcrlichem Wege (z. B. t\u00e4glicher Gesundmarsch bei Tageslicht oder eine &#8222;technische&#8220; Licht- oder Phototherapie &#8211; s. sp\u00e4ter).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Nachfolgend deshalb eine kurze \u00dcbersicht zum Thema Winter- oder Lichtmangel-Depression, beginnend mit einer Einleitung \u00fcber den biologischen Hintergrund.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><strong><br \/>\nBiologische Rhythmen und Depression<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">So gut wie alle Organismen zeigen einen 24-Stunden-Rhythmus (so genannter zirkadianer Rhythmus &#8211; s. u.), und zwar sowohl des Verhaltens als auch der physiologischen (nat\u00fcrlichen) Funktionsabl\u00e4ufe. Das betrifft beispielsweise K\u00f6rpertemperatur, Stoffwechsel, Herz und Kreislauf u.a. Die entscheidende Ursache sind so genannte Zeitgeber und hier insbesondere der Hell-Dunkel-Wechsel, der einen endogenen zirkadianen Rhythmus bzw. deren mehrere unterh\u00e4lt (endogen = von innen kommend bzw. das Zentrale Nervensystem und damit Seelenleben betreffend; zirkadian = eine 24-Stunden-Periode umfassend).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Wenn diese innerlichen Rhythmen gut aufeinander abgestimmt sind (Fachbegriff: interne Synchronisation), dann gibt es keine Probleme. Ist dies nicht der Fall (innere Desynchronisation), kann es zu verschiedenen k\u00f6rperlichen und seelischen St\u00f6rungen kommen. Am besten erforscht sind dabei Stimmungs-Hochs und -Tiefs, also Manie und Depression in verschiedener Auspr\u00e4gung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">F\u00fcr die beiden, ja oft miteinander gekoppelten seelischen Leiden l\u00e4sst sich eine jahreszeitliche H\u00e4ufung objektivieren, vor allem Fr\u00fchjahr und Herbst. Dies gilt insbesondere f\u00fcr manisch-depressive Erkrankungen, w\u00e4hrend rein depressiv Betroffene eher einen Fr\u00fchjahrsgipfel zu ertragen haben. Parallel zu diesem Leidensmaximum l\u00e4uft im \u00dcbrigen auch der tragischste Ausgang einer solchen Krankheit, n\u00e4mlich die jahreszeitliche Verteilung der Selbstmord-H\u00e4ufigkeit. Auch hier sind es vor allem (sp\u00e4tes) Fr\u00fchjahr sowie Sommerbeginn, d. h. in der Regel nach einigen zerm\u00fcrbenden Depressions-Wochen bis -Monaten, in denen der Betroffene &#8211; besonders wenn er nicht gezielt antidepressiv behandelt wurde &#8211; schlie\u00dflich keine Genesungs-Hoffnung mehr zu haben glaubt und Hand an sich legt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Solche Rhythmus-Ver\u00e4nderungen zeigen sich gerade bei der Depression im \u00dcbrigen nicht nur jahreszeitlich, sondern auch im Verlauf des Tages und der Nacht. Beispielsweise im &#8222;Morgentief&#8220; (auch bezeichnenderweise &#8222;Morgengrauen&#8220; genannt) mit Stimmungsaufhellung und verbessertem Antrieb am Nachmittag und Abend. Oder im immer mehr vorverlegten Fr\u00fcherwachen mit qu\u00e4lendem Gedankenkreisen und Panik vor dem neuen Tag (5.00 Uhr, 4.00 Uhr, 3.00 Uhr: &#8222;ab 2.00 Uhr bin ich wach und kann nicht mehr einschlafen, am anderen Tag nat\u00fcrlich todm\u00fcde und total deprimiert&#8220;).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Etwas komplizierter \u00e4u\u00dfern sich diese biologischen Rhythmen auch im therapeutischen Einfluss der stimmungsaufhellenden Antidepressiva, ja sogar deren unterschiedlichen Nebenwirkungs-Spektren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Ganz besonders spektakul\u00e4r aber sind die raschen Stimmungs-Umschw\u00fcnge, z. B. innerhalb von 24 Stunden von der schwersten Depression in die umtriebigste Manie oder umgekehrt. Und schlie\u00dflich die immer wieder verbl\u00fcffenden Rapid-Cycling-Syndrome, d. h. &#8222;schnelle Phasenwechsler&#8220;, die ihre Hochs und Tiefs im Wochen-, Tages- oder gar Stunden-Wechsel durchleiden m\u00fcssen. Das hei\u00dft: Ist der innere Rhythmus einmal aus dem Ruder gelaufen, ist er auch zu jeder noch so ungew\u00f6hnlichen Verlaufsform f\u00e4hig.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Die Frage, welche pathophysiologischen (d. h. krankhaften Stoffwechsel-)Ver\u00e4nderungen so etwas auszul\u00f6sen verm\u00f6gen, ist noch ungekl\u00e4rt. Diskutiert werden, wie bei allen \u00fcbrigen seelischen St\u00f6rungen, eine ung\u00fcnstige Ver\u00e4nderung bestimmter \u00dcbertr\u00e4gerstoffe, die an entsprechenden Nervenendigungen freigesetzt werden und damit die Funktion des Gehirn-Stoffwechsels erm\u00f6glichen (Fachausdr\u00fccke: Botenstoffe, Neurotransmitter). Beteiligt sind aber wahrscheinlich auch andere zentral aktive Substanzen, wie das in letzter Zeit vermehrt in die Diskussion geratene Melatonin. Hier besteht allerdings noch ein ausgepr\u00e4gter Forschungsbedarf.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><strong><br \/>\nZur Geschichte der saisonal abh\u00e4ngigen Depressionsformen<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Wie erw\u00e4hnt: Der Stimmungseinbruch im Sp\u00e4therbst und Winter ist so alt wie die Menschheit und auch schon den antiken \u00c4rzten bekannt gewesen (und zuvor sicher auch). Dann waren es die Psychiater vor 100 Jahren, die sich mehr auf ihr &#8222;klinisches Gesp\u00fcr&#8220; als &#8211; notgedrungen &#8211; auf umfangreiche Statistiken, technische Hilfsmittel und Laborergebnisse verlie\u00dfen. Dann war eine Zeit lang &#8222;Ruhe&#8220;, bis vor rund zwei Jahrzehnten die US-Amerikaner aufgrund der Selbstbeobachtung eines betroffenen Patienten eine gr\u00f6\u00dfere Studie begannen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Wenig hilfreich dabei war \u00fcbrigens jene Klientel, auf die man sonst immer zur\u00fcckzugreifen pflegt, n\u00e4mlich klinisch behandlungsbed\u00fcrftige Patienten. Denn in eine psychiatrische Fachklinik, vor allem in eine Depressions-Spezialstation (von der es allein im deutschsprachigen Bereich inzwischen Dutzende gibt) kommen sinnvollerweise nur Kranke mit schwerer oder komplizierter Verlaufsform ihres seelischen Leidens.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Das zweite, m\u00f6gliche Untersuchungskollektiv w\u00e4ren dann Patienten in einer psychiatrischen Ambulanz\/Poliklinik bzw. von niedergelassenen Nerven\u00e4rzten und Psychiatern untersucht und behandelt. Doch auch dort wurde bzw. wird man bei solchen saisonal abh\u00e4ngigen Depressionen nicht sehr f\u00fcndig. Das Leiden ist einfach nicht qu\u00e4lend genug, um &#8222;die Schwelle eines Seelenarztes zu \u00fcberschreiten&#8220; (Zitat), was ja bekanntlich &#8211; fr\u00fcher mehr als heute &#8211; f\u00fcr so manche Patienten eine nicht unerhebliche \u00dcberwindung bedeutet, sehr zu ihrem Nachteil, denn Fachmann bleibt Fachmann.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Nachdem man also in den USA auf die herk\u00f6mmlichen Untersuchungs-Klienten nicht zur\u00fcckgreifen konnte, gingen die dortigen Wissenschaftler mit Zeitungsannoncen an die \u00d6ffentlichkeit, und das erwies sich als au\u00dferordentlich erfolgreich. Gefragt wurde nach Betroffenen, die regelm\u00e4\u00dfig im Herbst bzw. Winter unter depressiven Zust\u00e4nden litten, welche sich im Fr\u00fchjahr oder Sommer wieder aufzul\u00f6sen pflegten, manchmal sogar von einem &#8222;kleinen Stimmungshoch&#8220; begleitet. Und dies mehrfach im Leben und durch bestimmte Symptome belastet. Au\u00dferdem durften nat\u00fcrlich keine \u00e4u\u00dferen Gr\u00fcnde vorliegen (z. B. Stimmungseinbruch durch sonstige Erkrankungen, famili\u00e4re Belastungen, Arbeitsplatzverlust u.a.).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><strong>Was hat man nun bei dieser &#8222;uralten&#8220; und doch &#8222;neuen&#8220; Depressions-Form gefunden?<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><strong><br \/>\nBegriffe<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Fr\u00fcher sprach man vor allem von einer &#8222;Winterdepression&#8220; (was sich am besten einpr\u00e4gt), heute von einer Herbst-Winter-Depression (weil es schon im Sp\u00e4therbst, unter Einschluss von Fr\u00fch-Symptomen sogar schon fr\u00fcher beginnen kann), gelegentlich auch von einer Lichtmangel-Depression (was ein mehr allgemeiner, die Ursachen aber am treffendsten bezeichnender Begriff w\u00e4re), in Fachkreisen vor allem von einer saisonal abh\u00e4ngigen Depression (englischer Fachbegriff: Seasonal Affective Disorder), kurz: SAD. Weitere eher popul\u00e4r medizinische bzw. Fachbegriffe sind Winterblues und saisonal rezidivierende (immer wieder auftretende) depressive St\u00f6rung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Wissenschaftlich spricht man heute auch von einer saisonal abh\u00e4ngigen Depression als \u00dcberbegriff und von einer Herbst-Winter-Depression als ihrer h\u00e4ufigsten Erscheinungsform.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><strong>Definition<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Von den beiden weltweit tonangebenden psychiatrischen Institutionen, n\u00e4mlich der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit ihrer Internationalen Klassifikation psychischer St\u00f6rungen &#8211; ICD-10 und der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung (APA) hat bisher nur Letztere eine wissenschaftlich und klinisch verwertbare Definition vorgeschlagen:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Dabei lauten die diagnostischen Kriterien f\u00fcr ein so genanntes saisonal abh\u00e4ngiges Verhaltensmuster im Rahmen einer affektiven (Gem\u00fcts-)St\u00f6rung:<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Regelm\u00e4\u00dfiger zeitlicher Zusammenhang zwischen dem Auftreten von depressiven Episoden bei verschiedenen depressiven Zust\u00e4nden (in diesem DSM-IV konkret definiert) mit einer bestimmten Jahreszeit (z. B. Herbst oder Winter).<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Vollst\u00e4ndiger Symptom-R\u00fcckgang oder ein Wechsel von Depression zu Manie (krankhafte Hochstimmung) w\u00e4hrend einer bestimmten Jahreszeit (z. B. die Depression verschwindet regelm\u00e4\u00dfig im Fr\u00fchling).<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Mindestens zwei Episoden in den vergangenen zwei Jahren mit entsprechender saisonaler Abh\u00e4ngigkeit.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Dabei m\u00fcssen die diagnostischen Kriterien bestimmter &#8222;Kern-Depressionsformen&#8220; erf\u00fcllt sein, wie sie in diesem DSM-IV aufgef\u00fchrt werden. Fachbegriffe: Depressive Episoden bei Bipolar I- oder II-St\u00f6rungen oder Rezidivierende Major Depression (Einzelheiten siehe DSM-IV).<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><strong><br \/>\nOder kurz und allgemeinverst\u00e4ndlich:<\/strong><\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Wen trifft eine saisonal abh\u00e4ngige Depression?<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Eigentlich sollte es doch m\u00f6glich sein, bei einem Krankheitsbild, das schon antike \u00c4rzte kannten, Psychiater vor 100 Jahren beschrieben und das in den letzten Jahren so deutlich zugenommen haben soll, genaue Daten zu erheben was H\u00e4ufigkeit, Geschlecht, Alter, Zivilstand, soziale Schicht u.a. anbelangt. Doch das ist &#8211; will man wissenschaftlich exakt sein &#8211; gar nicht so einfach.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Denn dort, wo man es am bequemsten, nebenbei wissenschaftlich auch am sichersten ermitteln k\u00f6nnte, n\u00e4mlich in den psychiatrischen Kliniken, gibt es gerade Patienten mit einer saisonal abh\u00e4ngigen Depression am seltensten (am ehesten noch auf eine schwere Depression gleichsam jahreszeitlich aufgepfropft &#8211; siehe sp\u00e4ter).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Auch die niedergelassenen Psychiater und Nerven\u00e4rzte sehen sich damit noch nicht sehr h\u00e4ufig konfrontiert. Die Allgemein\u00e4rzte und Internisten, deren Klientel es am ehesten betreffen d\u00fcrfte, sind in der Regel diagnostisch und therapeutisch \u00fcberfordert. Die Masse der Betroffenen aber geht \u00fcberhaupt nicht zum Arzt, ist also nicht erfassbar und h\u00f6chstens durch indirekte Hochrechnungen abzusch\u00e4tzen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><strong><br \/>\nUnd das ist auch der Stand heute: Sch\u00e4tzdaten, mehr nicht.<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Erst epidemiologische Untersuchungen im nordamerikanischen Raum ergaben eine so genannte Punktpr\u00e4valenz (Vorkommen von Krankheiten bzw. Zahl der Kranken mit einer bestimmten Krankheit zu einem bestimmten Zeitpunkt) zwischen 4 und 18 % in der Allgemeinbev\u00f6lkerung. Von der erfassten klinischen Klientel, d. h. von den in einer psychiatrischen Klinik oder Depressions-Spezialstation behandelten Patienten zeigt etwa jeder zehnte depressiv Erkrankte eine Verschlechterung seiner Depression in der dunklen Jahreszeit.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"> <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif; \"> <\/span><\/p>\n<ul>\n<li>H\u00e4ufigkeit: Es scheint also nicht zu hoch gegriffen, wenn man zwischen jedem Zwanzigsten und bald F\u00fcnften, im Schnitt etwa jeden Zehnten in der Allgemeinbev\u00f6lkerung als von einer Winterdepression zumindest bedroht sieht.<\/li>\n<li>Geschlechtsspezifisch sind es \u00fcberwiegend Frauen, die mit einer solchen Depressionsform zu ringen haben. In den USA spricht man von mehr als Dreiviertel, in Untersuchungen im mitteleurop\u00e4ischen Bereich von drei bis f\u00fcnf betroffenen Frauen auf einen Mann.<\/li>\n<li>Bez\u00fcglich des Alters geben die meisten Betroffenen an, dass der Winter ohnehin nicht gerade ihre &#8222;bevorzugte Jahreszeit&#8220; war und ist, soweit sie sich zur\u00fcckerinnern k\u00f6nnen. Doch bedeutsam, d. h. l\u00e4stig bis qu\u00e4lend wurde es erst um das 3. Lebensjahrzehnt (wobei aber auch schon von entsprechenden Beeintr\u00e4chtigungen im Kindes- und Jugendalter berichtet wurde). Deshalb liegt man mit der Annahme nicht falsch, dass die jahreszeitlichen Stimmungsbelastungen nicht zuletzt J\u00fcngere, insbesondere aber das mittlere Lebensalter zu beeintr\u00e4chtigen scheinen. Danach, also in einer Zeit, in der viele Symptome eigentlich st\u00e4rker als fr\u00fcher belasten, geht zumindest die saisonale Beeinflussbarkeit offensichtlich zur\u00fcck. Nur selten sind auch F\u00e4lle beschrieben worden, in denen die Winterdepression erst im h\u00f6heren Lebensalter begonnen haben soll (obgleich die Wetterf\u00fchligkeit an sich mit den Jahren eher zunimmt).<\/li>\n<li>\u00dcber Zivilstand und Sozialschicht liegen bisher keine ausf\u00fchrlicheren Daten vor.<\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><strong> Bez\u00fcglich des Verlaufs, vor allem was rechtzeitige Diagnose und damit Therapie anbelangt, sieht es noch tr\u00fcber aus als bei Depressionen generell:<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Wenn man annimmt, dass die Winterdepression am h\u00e4ufigsten zwischen dem 10. und 30. Lebensjahr beginnt, dann scheint es im Durchschnitt zwischen wenigen Monaten und 20 Jahren zu dauern, bis die Diagnose gestellt wird. Ersteres ist erfreulich (und vor allem therapeutisch wichtig, sofern eine Behandlung erfolgt), Letzteres unn\u00f6tiges Leid, auch wenn die Intensit\u00e4t eines solchen depressiven Beschwerdebildes nicht an die Qual einer schweren Depression heranzureichen pflegt. Dies vor allem deshalb, weil es dann auch meist mehrere &#8222;depressive Winter&#8220; sind, die durchlitten werden m\u00fcssen (die errechnete Wahrscheinlichkeit f\u00fcr einen solchen Patienten, im n\u00e4chsten Winter an einer weiteren depressiven Episode zu erkranken, betr\u00e4gt rund 80 %). Oder kurz und nachdenkenswert:<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Schlie\u00dflich gibt es noch einen interessanten Aspekt, der nicht zuletzt auf die (Selbst-)Diagnose der Betroffenen Einfluss nehmen k\u00f6nnte, n\u00e4mlich eine m\u00f6gliche Vererbbarkeit der saisonal abh\u00e4ngigen Depression.<\/span><\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Schon in den ersten Untersuchungen aus den USA wurde eine relativ hohe famili\u00e4re Belastung bei Verwandten ersten Grades deutlich, vor allem mit schwereren Depressionen (mehr als jeder Zweite) sowie Alkohol- und Drogenmissbrauch (rund jeder Dritte, wobei es sich m\u00f6glicherweise um nicht wenige verzweifelte Selbstbehandlungsversuche gehandelt haben mag &#8211; wenngleich mit untauglichen Mitteln).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">In Untersuchungen aus dem deutschsprachigen Bereich ergab sich bei jedem Zweiten eine seelische Erkrankung in der Vorgeschichte naher Verwandter, d. h. bei vier von zehn Patienten eine Depression und zumindest mitunter eine Alkoholabh\u00e4ngigkeit oder schizophrene Erkrankung, das hei\u00dft:<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><br \/>\nHypothetische Ursachen<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Bei der Frage nach m\u00f6glichen Ursachen im Gehirnstoffwechsel (Fachbegriff: Pathophysiologie) wird unter den so genannten Neurotransmittern (\u00dcbertr\u00e4gerstoffe zwischen den Nervenzellen) vor allem auf den Botenstoff Serotonin verwiesen (Fachbegriff: serotonerge Dysfunktion). Einzelheiten zu diesem komplizierten und wissenschaftlich auch noch lange nicht abgeschlossenen Problem siehe die entsprechende Fachliteratur.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Eines aber soll schon hier angedeutet werden: Bei der medikament\u00f6sen Behandlung werden deshalb vor allem die so genannten Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) bevorzugt, die auch noch einen zus\u00e4tzlichen Vorteil aufweisen: Zum einen d\u00e4mpfen sie kaum (was bei der Winter-M\u00fcdigkeit ohnehin unerw\u00fcnscht ist), zum anderen provozieren sie auch als Nebenwirkung nicht noch eine zus\u00e4tzliche Gewichtszunahme, wie das bei manchen \u00e4lteren Antidepressiva oft hingenommen werden muss. Weitere Einzelheiten siehe das Kapitel \u00fcber die Therapie.<\/span><\/p>\n<h3><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><strong><br \/>\nWie \u00e4u\u00dfert sich eine saisonal abh\u00e4ngige Depression?<\/strong><\/span><\/h3>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Die wichtigsten Symptome einer saisonal abh\u00e4ngigen Depression sind:<\/span><\/strong><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Im Einzelnen:<\/span><\/strong><\/p>\n<blockquote>\n<ul>\n<li><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Am h\u00e4ufigsten berichten die Betroffenen \u00fcber eine verminderte Aktivit\u00e4t, ausgel\u00f6st durch eine st\u00e4ndige M\u00fcdigkeit oder konkreter: undefinierbare Mattigkeit bzw. Energielosigkeit bis Schw\u00e4che (nicht aber unbedingt das f\u00fcr viele Depressionen charakteristische Elendigkeitsgef\u00fchl).<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Hier f\u00e4llt dann auch h\u00e4ufig ein Begriff, der in letzter Zeit erheblich an Bedeutung gewonnen hat, n\u00e4mlich die &#8222;Tagesm\u00fcdigkeit&#8220; oder das &#8222;chronische M\u00fcdigkeits-Syndrom&#8220;. Beides sind ja nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft vor allem beschreibende Leidensbilder, die \u00fcber die Ursachen nichts aussagen (in diesem Falle aber wohl auch durch eine unerkannte saisonal abh\u00e4ngige Depression ausgel\u00f6st sein k\u00f6nnten).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"> <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"> <\/span><\/p>\n<ul>\n<li>So gut wie immer beklagt, wenngleich nicht unbedingt am st\u00e4rksten belastend, ist eine Niedergeschlagenheit, die vor allem als resigniert-schwunglos-deprimiert bezeichnet wird, immer h\u00e4ufiger auch als \u00e4ngstlich-deprimiert (also eine Art gemischte Angst-Depression).<\/li>\n<li>In diesem Zusammenhang wird auch oftmals zugegeben, dass man &#8222;irgendwie&#8220; unzufriedener, missgestimmter, sensibler, leichter verletzlich, ja missmutig, &#8222;schlecht gelaunt&#8220;, &#8222;m\u00fcrrisch&#8220;, reizbar bis aggressiv zu werden droht, ein mehrschichtiges Beschwerdebild, das die Wissenschaftler auf einen Fachbegriff reduzieren: &#8222;irritabel&#8220;.<\/li>\n<li>Ein auf anderer Schiene belastender, wenn auch nicht so &#8222;tragischer&#8220; Aspekt ist der Appetit. Er gilt zwar nicht als Entscheidungskriterium (das ist der jahreszeitliche Ausbruch: Herbst und Winter), beeintr\u00e4chtigt aber so gut wie immer. Und hier ist es vor allem der erw\u00e4hnte Kohlenhydrat-Hei\u00dfhunger auf S\u00fc\u00dfigkeiten, Teigwaren u.a., der nicht ohne (Gewichts-)Folgen zu bleiben pflegt (was nat\u00fcrlich eine zus\u00e4tzliche Beeintr\u00e4chtigung der Stimmungslage ausl\u00f6st).<\/li>\n<\/ul>\n<blockquote>\n<ul><\/ul>\n<\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Im Grunde l\u00e4sst sich dies in jeder Cafeteria, in jedem Restaurant und Hotel nachpr\u00fcfen und hat auch schon fr\u00fcher die Wissenschaftler in den Kantinen ihrer Institute und Kliniken zum Nachdenken gebracht, n\u00e4mlich:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Kohlenhydrat-haltige Lebensmittel werden im Fr\u00fchjahr und vor allem Sommer deutlich seltener verlangt und konsumiert als im Herbst und insbesondere Winter. Patienten mit einer saisonalen affektiven St\u00f6rungen zeigen diesen Trend in ungew\u00f6hnlicher Auspr\u00e4gung, d. h. essen im Herbst und Winter mehr von diesen Nahrungsmitteln und nehmen deshalb auch entsprechend an Gewicht zu, was sie im Fr\u00fchjahr und Sommer wieder &#8222;abarbeiten&#8220; m\u00fcssen. Zwar gibt es bei der saisonal abh\u00e4ngigen Depression auch eine Appetit- und damit Gewichts-Verminderung, doch das ist deutlich seltener (nur jeder Zehnte?).<\/span><\/p>\n<blockquote>\n<ul>\n<li><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Ein Problem besonderer Art ist der Schlaf. Man wei\u00df: Der Depressive kann nicht schlafen, der Maniker braucht nicht zu schlafen, aber beiden tut dieses Schlaf-Defizit nicht gut. Ein Depressiver mit saisonal abh\u00e4ngiger Depression hingegen kann schlafen, und zwar mehr als in gesunden Tagen. Allerdings wird dieser Schlaf als nicht so erquicklich und gemessen am Schlafquantum als wenig ergiebig bezeichnet (wobei bemerkenswerter Weise viele Patienten mit saisonal abh\u00e4ngiger Depression ihren Zustand ohnehin mit einer Art &#8222;Winterschlaf&#8220; vergleichen).<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Immerhin l\u00e4sst sich mit diesem vermehrten Schlaf noch am ehesten leben, im Gegensatz zur Schlafst\u00f6rung oder gar Schlaflosigkeit vieler an einer anderen Depressionsform Erkrankter.<\/span><\/p>\n<blockquote>\n<ul>\n<li><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Auch die Libido ist offensichtlich vermindert (bei immerhin der H\u00e4lfte bis Dreiviertel aller Betroffenen).<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Und in psychosozialer Hinsicht h\u00e4ufen sich Probleme, die in der \u00fcbrigen Jahreszeit keine Rolle spielen: zwischenmenschlich, d. h. partnerschaftlich, famili\u00e4re, nachbarschaftlich, nicht zuletzt am Arbeitsplatz (wo man sich in der Regel die meiste M\u00fche gibt, seelische Probleme m\u00f6glichst nicht &#8222;durchschlagen&#8220; zu lassen).<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Ein Aspekt, der bisweilen von den Untersuchern noch angedeutet wird, sind Probleme w\u00e4hrend der Monatsblutung oder in der Menopause, die sich im Rahmen einer Winterdepression noch zu verst\u00e4rken scheinen.<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><strong><br \/>\nWie verl\u00e4uft eine saisonal abh\u00e4ngige Depression?<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Die durchschnittliche L\u00e4nge einer saisonal abh\u00e4ngigen Depression beschr\u00e4nkt sich also auf die Wintermonate November bis Februar bzw. Beginn im Oktober und Ende im M\u00e4rz\/April.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Einige Patienten berichten allerdings, dass sie schon w\u00e4hrend September oder gar August mit unbestimmten Angstzust\u00e4nden, manchmal geradezu Panikattacken geschlagen seien (siehe das entsprechende Kapitel). Dabei muss offen bleiben, ob es sich hier um so genannte Vorposten-Symptome eines langsam anlaufenden biologischen Prozesses handelt oder einfach um die vorwegnehmende psychologische Verarbeitung des drohenden Wintertiefs. Auf jeden Fall kann sich auf diese Weise das ohnehin l\u00e4stige Beschwerdebild unangenehm verl\u00e4ngern.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Die schlie\u00dflich konkret fassbaren Beeintr\u00e4chtigungen beginnen gew\u00f6hnlich im Oktober oder November. Dabei sind die ersten Anzeichen die erw\u00e4hnte Verl\u00e4ngerung der Schlafdauer und Ver\u00e4nderung der Essgewohnheiten mit Bevorzugung kohlenhydrathaltiger Nahrungsmittel.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Die Betroffenen haben dann meist auch erhebliche Schwierigkeiten morgens rechtzeitig &#8222;in die G\u00e4nge zu kommen&#8220;, ihre t\u00e4glichen Aufgaben zu bew\u00e4ltigen und berichten &#8222;stattdessen \u00fcber st\u00e4ndige Naschereien&#8220;. Diese Symptome nehmen mit fortschreitender Jahreszeit (und Dunkelheit) zu.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><br \/>\n<strong>SAD-Untergruppen<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">F\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der Allgemeinheit weniger bedeutsam, der Vollst\u00e4ndigkeit halber aber trotzdem angef\u00fcgt sei noch die wissenschaftlich diskutiere Unterteilung in verschiedenen Unterformen der saisonal abh\u00e4ngigen Depressionen (SAD). So unterscheidet man eine<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"> <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><\/p>\n<ul>\n<li>subsyndromale Form der SAD (K\u00fcrzel: S-SAD) : Hier liegt die gleiche zeitliche Verlaufsform bzw. der gleiche jahreszeitliche Schwerpunkt wie bei der \u00fcblichen saisonal abh\u00e4ngigen Depression vor, doch ist das Beschwerdebild nicht so ausgepr\u00e4gt. Meist dominieren Energiemangel und Tagesm\u00fcdigkeit. Die Grenzen zur \u00fcblichen &#8222;Winter-M\u00fcdigkeit&#8220; sind offenbar flie\u00dfend, der Prozentsatz dieser hypothetischen Gruppe entsprechend hoch.<\/li>\n<li>Die Recurrent-Brief-SAD (K\u00fcrzel: RBD-SAD) gilt als weitere interessante Untergruppe saisonal abh\u00e4ngiger Depressionen. Wieder ist es die Herbst-Winter-Zeit, doch nicht einige Monate, sondern nur wenige Tage bis zwei Wochen. \u00c4hnliches kennt man ja auch bei den \u00fcblichen Depressionen unter dem Begriff des erw\u00e4hnten &#8222;Rapid-Cycling-Syndroms&#8220; oder der &#8222;kurzen Phasenwechsler&#8220; mit wenigen Tagen bis Stunden dauernden Depressionen (bisweilen mit manischen oder hypomanischen Zust\u00e4nden abwechselnd).<\/li>\n<\/ul>\n<p><\/span><\/p>\n<blockquote>\n<ul><\/ul>\n<\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Das besondere Problem liegt &#8211; so die Wissenschaftler &#8211; in der K\u00fcrze der depressiven Phase oder Episode, die vor allem wegen ihrer Dauer als eher psychosozial ausgel\u00f6st oder unterhalten interpretiert wird (z.B. Berufs- oder Familienprobleme). Das hat sich aber bei den echten Kurz-Formen unter n\u00e4herer Pr\u00fcfung als falsch herausgestellt. In Wirklichkeit scheinen es eher biologisch verankerte Verstimmungen zu sein, nur eben kurzfristig und ausschlie\u00dflich in der dunklen Jahreszeit.<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><br \/>\nWinter-Verschlechterung bei anderen seelischen St\u00f6rungen?<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Eine Herbst-Winter-Verschlechterung des Beschwerdebildes findet sich offenbar auch bei anderen psychischen Krankheitsbildern. Am h\u00e4ufigsten werden so genannte schizoaffektive Psychosen genannt, bei denen schizophrene sowie manisch hochgestimmte und depressive Zust\u00e4nde gleichzeitig oder kurz hintereinander auftreten, wobei die Verschlechterung in der dunklen Jahreszeit vor allem den schizo-depressiven Zustand betrifft.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">\u00c4hnliches gilt f\u00fcr die depressive Seite der Bulimie, einer Ess-St\u00f6rung mit Erbrechen, f\u00fcr Zwangsst\u00f6rungen und sogar f\u00fcr schizophrene Patienten mit einer so genannten Negativ-Symptomatik (Einzelheiten siehe die entsprechenden Kapitel).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><strong>Differentialdiagnose: Was k\u00f6nnte es sonst noch sein?<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Je mehr man wei\u00df, desto mehr steht zur Diskussion, lautet der Seufzer alterfahrener Mediziner. So auch bei saisonal abh\u00e4ngigen Depressionen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Als erstes gilt es herauszufinden, ob es eine der sonst &#8222;g\u00e4ngigen&#8220; Depressionsformen ist, wie man das heute einteilt, also bipolar = manisch-depressive Verlaufsform oder unipolar = nur depressive Phasen. Auf diese Depressionen kann sich gleichsam eine saisonal abh\u00e4ngige Empfindlichkeit aufpfropfen, woraus sich dann eine &#8222;herk\u00f6mmliche Depression&#8220; mit immer wiederkehrendem saisonalem Schwerpunkt ergibt (statt Fr\u00fchjahr und Herbst \u00fcberwiegend Sp\u00e4therbst und Winter).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Weitere seelische St\u00f6rungen (z. B. Schizophrenie, Somatisierungsst\u00f6rung, d. h. &#8222;k\u00f6rperbezogene seelische Erkrankungen&#8220;, Suchtkrankheiten u.a.) pflegen differentialdiagnostisch keine Rolle zu spielen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Etwas anderes sind organische Leiden. Hier werden nicht wenige Patienten erst einmal auf eine Hypothyreose (Unterfunktion der Schilddr\u00fcse), eine Hypoglyk\u00e4mie (Absinken des Blutzuckers unter Normalwerte), chronische Virusentz\u00fcndungen, eine infekti\u00f6se Mononukleose (Pfeiffersches Dr\u00fcsenfieber, akute fieberhafte Erkrankung des lymphpatischen Gewebes) u.a. untersucht. Die dabei jeweils eingeleitete krankheits-spezifische Behandlung bleibt nat\u00fcrlich erfolglos. Hier sollte man dann auch einmal an eine saisonal abh\u00e4ngige Depression denken.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><strong>Winterdepression &#8211; was kann man tun?<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Schon die Fachbegriffe Winterdepression oder gar Lichtmangel-Depression weisen auf den entscheidenden Faktor hin: zuwenig Licht, d. h. nat\u00fcrliches Licht, Sonnenlicht, bei bedecktem Himmel wenigstens Tageslicht. \u00dcber diesen nat\u00fcrlichen, aber auf Grund des &#8222;modernen&#8220; Lebensrhythmus arg vernachl\u00e4ssigten und wohl aus der Not heraus auch manchmal bel\u00e4chelten Aspektes siehe sp\u00e4ter.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Zuvor jedoch einige S\u00e4tze zu jener konkreten Therapieform, die mit saisonal abh\u00e4ngigen Depressionen am ehesten in Verbindung gebracht wird, die Lichttherapie (Phototherapie):<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><strong><br \/>\nLichttherapie<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Bei der Lichttherapie handelt es sich um die Verl\u00e4ngerung der t\u00e4glichen Lichteinwirkung mittels k\u00fcnstlichem Lichtes, das der spektralen Zusammensetzung des nat\u00fcrlichen Sonnenlichtes angepasst ist und eine mindestens 10-fache Intensit\u00e4t normaler Zimmerbeleuchtung aufweist. Das sind wenigstens 2.500 Lux (1 Lux = Lichtst\u00e4rke einer Kerze) \u00fcber mindestens eine Woche, meist aber erheblich l\u00e4nger.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Das Licht dieser spezielle Leuchtger\u00e4te (inzwischen nicht nur leistungsf\u00e4higer, sondern auch durch den Konkurrenzdruck der Anbieter preiswerter geworden) muss die Netzhaut erreichen, weshalb Br\u00e4unungsapparate mit ihrem speziellen Applikationsmodus bei abgedeckten Augen erfolglos sind.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Im Vergleich zu einer reinen medikament\u00f6sen Behandlung mit Antidepressiva soll die Photobehandlung schneller (Maximum nach 3 bis 7 Tagen), aber eventuell nicht so ausgepr\u00e4gt wirken. Setzt man sie ab, ist nach relativ kurzer Zeit mit dem alten Beschwerdebild zu rechnen. Manche Patienten werden deshalb \u00fcber den gesamten Herbst und Winter behandelt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Mildere depressive Zustandsbilder sollen g\u00fcnstiger auf eine Behandlungszeit in den Morgenstunden ansprechen, w\u00e4hrend bei einer schwerer ausgepr\u00e4gten Beeintr\u00e4chtigung der Tageszeitpunkt der Lichtapplikation keine wesentliche Rolle zu spielen scheint.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Ernstere Nebenwirkungen (z. B. Kopfschmerzen, \u00dcberanstrengung der Augen oder das Ausklinken einer Hypomanie, also einer leicht krankhaften Hochstimmung) sind selten, doch ist vor allem bei der Begleit-Behandlung mit Medikamenten Vorsicht geboten. Arzneimittel, die die Lichtempfindlichkeit erh\u00f6hen, sind beispielsweise bestimmte Neuroleptika (antipsychotisch wirkende Arzneimittel), aber auch einige Antidepressiva, die phasenprophylaktisch wirkenden Lithiumsalze, Diurethika (harntreibende Arzneimittel) u.a.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Manchmal reicht die Lichttherapie alleine aus, manchmal aber auch nicht. Dann empfiehlt sich eine Kombination aus Phototherapie und Antidepressivum, sei es Johanniskraut, sei es eines der modernen Serotoninwiederaufnahme-Inhibitoren (SSRI). Einzelheiten dazu siehe sp\u00e4ter.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><strong><br \/>\nGesundmarsch bei Tageslicht &#8211; bel\u00e4chelt, bei Ausdauer aber wirksam<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Bei aller Genugtuung \u00fcber die heutigen medizinischen M\u00f6glichkeiten sollte man aber auch die &#8222;naturbelassenen Einflussnahmen&#8220; nicht vergessen. Sie sind derzeit einer eigenartigen Diskrepanz ausgesetzt: entweder bel\u00e4chelt oder \u00fcberzogen einseitig propagiert. Ein Mittelweg scheint sich nicht abzuzeichnen. Und doch w\u00e4re er gerade bei der Winterdepression segensreich.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Eine, wenn nicht die wichtigste unterst\u00fctzende Ma\u00dfnahme zur Verh\u00fctung oder Linderung einer winterlichen Lichtmangeldepression ist zum einen k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t generell, zum anderen die Nutzung des Tageslichtes. Beides ist besonders als antidepressive Prophylaxe und Therapie ungleich effektiver als bisher angenommen &#8211; bzw. von den Betroffenen akzeptiert. Das hat nicht zuletzt soziale Gr\u00fcnde, so verwunderlich diese \u00dcberlegung auf den ersten Blick sein mag. Der &#8222;moderne Mensch&#8220; kann n\u00e4mlich in der dunklen Jahreszeit das Tageslicht oft gar nicht genie\u00dfen &#8211; berufsbedingt. Fast ein halbes Jahr verl\u00e4sst man bei Dunkelheit und Kunstlicht seine Wohnung, arbeitet einen Teil seiner beruflichen Aufgaben auch im Kunstlicht ab und hat bestenfalls die H\u00e4lfte bis zwei Drittel sein reduziertes Tageslicht-Quantum durch Fensterscheiben. Das ist noch immer besser als gar nichts bzw. &#8222;Kunstlicht rund um die Uhr&#8220;, aber f\u00fcr viele Menschen nicht ausreichend &#8211; die wachsende Zahl von Winter-Depressiven beweist es.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Deshalb muss man sich sein Tageslicht-Quantum in irgendeiner Form sichern. Die sattsam bekannte Reaktion: &#8222;Na wie denn?&#8220; muss jeder f\u00fcr sich selber beantworten. Das ist eben ein soziales, letztlich berufs-politisches Problem mit allerdings gesundheitlichen Folgen. Bei gutem Willen und konsequenter Arbeitszeit-Strukturierung ist es jedoch oftmals l\u00f6sbar, und wenn nur eine halbe Stunde Tageslicht dabei herauskommt. Dabei achte man auf den st\u00e4ndig wiederholten Begriff &#8222;Tageslicht&#8220;, d. h. es muss keineswegs die Sonne scheinen, es kann sogar regnen oder schneien, die Grundlage ist und bleibt einfach Tagesnormallicht. Denn selbst ein bedeckter Himmel bringt mehr Lux (siehe oben) als die meisten Kunstlicht-Quellen, von Sonnenschein ganz zu schweigen. Wird dabei noch Tageslicht mit k\u00f6rperlicher Aktivit\u00e4t kombiniert, ist der positive Effekt noch gr\u00f6\u00dfer. Warum?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Die vorbeugende und therapeutische Wirksamkeit k\u00f6rperlicher Aktivit\u00e4t in Form von Sport und sonstigen Bewegungs\u00fcbungen gilt nicht nur f\u00fcr Herz-Kreislauferkrankungen, Atemwegsleiden, degenerative Verschlei\u00dferscheinungen des Haltungs- und Bewegungsapparates, sondern auch f\u00fcr psychosomatisch interpretierbare Befindensschwankungen (Fachbegriff: Somatisierungsst\u00f6rungen) oder andere seelische Beeintr\u00e4chtigungen, insbesondere im Gem\u00fctsbereich.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">So f\u00fchlen sich Sporttreibende in Regel nach ihrer Aktivit\u00e4t wohler, ruhiger, zugleich aber auch dynamischer. Die Stimmung ist gehoben, innere Unruhe und Nervosit\u00e4t lassen nach, \u00c4rger, Kummer und Frustration gehen zur\u00fcck.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Dies betrifft nicht nur den klinisch Gesunden. Auch die meisten psychischen St\u00f6rungen oder Krankheiten sprechen positiv auf k\u00f6rperlich aktivierenden Ma\u00dfnahmen an. Das wird in den psychiatrischen Kliniken inzwischen systematisch genutzt: Morgengymnastik, Bewegungstherapie, Schwimmen, Wandern, Radfahren, Trimmen, Bewegungsspiele, Reittherapie, Musik-Rhythmik-Tanz usw.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><strong>Zwar kommen die einzelnen Studien zu mitunter unterschiedlichen Ergebnissen, doch scheinen sich folgende Erkenntnisse zu best\u00e4tigen:<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Allerdings m\u00fcssen gerade die depressiv Kranken, und hier nicht zuletzt die Betroffenen mit saisonal abh\u00e4ngiger Depressionsform aufgrund ihrer Schwunglosigkeit, Antriebslosigkeit, M\u00fcdigkeit, bei ernsteren Beeintr\u00e4chtigungen auch Willenlosigkeit, Kraftlosigkeit und seelisch-k\u00f6rperlicher Hemmung konsequent, aber ma\u00dfvoll-angepasst stimuliert werden. Das ist ein altes Problem des Pflegepersonals in den Kliniken und noch \u00e4lter (und ggf. schwieriger) der Angeh\u00f6rigen zu Hause.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Und wer sich selber aktivieren muss, ist am schlechtesten dran. Schlie\u00dflich ist man selber sein am wenigsten konsequenter und damit erfolgreicher Therapeut. Wer es aber schafft, hat eine n\u00fctzliche, kosteng\u00fcnstige, nebenwirkungsarme und zugleich effektive Behandlungsform erlernt (viele m\u00fcssen es in der Tat erst (wieder) erlernen), die mit oder ohne chemischer und Kunstlicht-Unterst\u00fctzung die besten Langzeiterfolge garantiert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><strong>Wie behandelt man eine saisonal abh\u00e4ngige Depression medikament\u00f6s?<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Bei leichteren F\u00e4llen eines winterlichen Stimmungstiefs reicht k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t bei Tageslicht, d. h. regelm\u00e4\u00dfig mindestens eine halbe Stunde (besser mehr, wobei \u00dcbertreibung wiederum nichts zu n\u00fctzen scheint, d. h. jeder sollte seine individuelle &#8222;Tageslicht-Aktivit\u00e4ts-Dosis&#8220; selber herausfinden).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Bringt der &#8222;t\u00e4gliche Gesundmarsch&#8220; alleine nicht den gew\u00fcnschten Erfolg, kann sich eine zus\u00e4tzliche Lichttherapie empfehlen (siehe oben), am besten die Kombination aus beidem.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Manchmal ist aber auch das nicht ausreichend. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr k\u00f6nnen vielschichtig sein: Zum einen eine mittel- bis schwere Winterdepression, zum anderen eine fr\u00fcher so genannte endogene (oft vererbte und vor allem biologisch determinierte) Depression im Herbst, auf die sich dann eine nachfolgende Winter-Depression mit einem entsprechend intensiven Beschwerdebild gleichsam aufpfropft. Aus welchem Grund auch immer, in einer wachsenden Zahl von F\u00e4llen kommt man offenbar um eine Pharmakotherapie mit antidepressiven Medikamenten nicht herum.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Wenn dies so ist und vom Haus- und ggf. Nervenarzt\/Psychiater auch best\u00e4tigt wird, sollte man sich nicht allzu lange ohne spezifische Therapie qu\u00e4len. Unsere Zeit und Gesellschaft hat viele Nachteile (ausgebr\u00fctet), doch zu den Vorteilen geh\u00f6ren auch die gesundheits-bewahrenden bzw. -f\u00f6rdernden M\u00f6glichkeiten, insbesondere auf medikament\u00f6sem Gebiet, was man zwar gerne als &#8222;Schreckgespenst&#8220; abtut, in seiner Not aber oft genug auch als rettend erf\u00e4hrt. Dies gilt auch f\u00fcr die antidepressive Behandlung der saisonal abh\u00e4ngigen Depressionen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Bei den antidepressiven Arzneimitteln greift man heute zu den modernen stimmungsaufhellenden Psychopharmaka mit weniger Nebenwirkungen. Dazu geh\u00f6ren beispielsweise die so genannten Serotonin-Wiederaufnahme-Inhibitoren (SSRI), die sich vor allem des Botenstoffes Serotonin annehmen, dessen Ungleichgewicht oder gar Defizit im Gehirnstoffwechsel bestimmte Gem\u00fctsst\u00f6rungen ausl\u00f6sen kann. Einzelheiten dazu siehe das Kapitel \u00fcber Depressionen (Teil 3: medikament\u00f6se Behandlung).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Dabei ist ein Gesamt-Behandlungsplan (einschlie\u00dflich Gesundmarsch &#8211; siehe oben) die sicherste L\u00f6sung einer raschen und zumindest mittelfristig stimmungsaufhellenden Therapie.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Dort, wo keine synthetischen (= chemischen) Antidepressiva gew\u00fcnscht, akzeptiert oder vertragen werden, diskutiert man auch den Einsatz von psychotropen Phytopharmaka, d. h. Pflanzenheilmittel mit Wirkung auf das Zentrale Nervensystem und damit Seelenleben. Hier bietet sich vor allem das Johanniskraut an.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Johanniskraut, fr\u00fcher von der Schulmedizin eher bel\u00e4chelt, hat sich inzwischen zu einem der umsatzst\u00e4rksten Antidepressiva entwickelt (Fachbegriff: Phyto-Antidepressivum). Einzelheiten dazu siehe das spezielle Kapitel. Zwar gibt es bisher zu der spezifische Heilanzeige &#8222;Johanniskraut gegen Winterdepressionen&#8220; keine wissenschaftlichen Belege, doch der rein klinische Eindruck berechtigt zu gewissen Hoffnungen. Denn gerade Johanniskraut hat die Eigenschaft einer besonders ausgepr\u00e4gten Licht-Utilisation, d. h. es l\u00e4sst den Organismus die Sonneneinstrahlung so ausgepr\u00e4gt bis extrem nutzen, dass es bei unkritischem Einsatz oder entsprechender \u00dcberempfindlichkeit sogar zu einer Lichtempfindlichkeit (Fachbegriff: Photosensibilisierung) kommen kann. So etwas kennt man sogar von Weidetieren, die gro\u00dfe Mengen von Johanniskraut gefressen haben und ungesch\u00fctzt der Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind (Fachbegriff: &#8222;Hypericismus&#8220;).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Auch f\u00fcr den Menschen ist eine solche Lichtempfindlichkeit nicht auszuschlie\u00dfen. Dies insbesondere bei sehr hellh\u00e4utigen und damit lichtempfindlichen Hauttypen oder Berufen, die den ganzen Tag im Freien sind (Land- und Forstwirtschaft, Seefahrt). Doch dies l\u00e4sst sich bei entsprechender Vorsicht durchaus steuern &#8211; und vor allem antidepressiv nutzen (siehe oben).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Alle anderen psychotropen Pflanzenheilmittel wie Baldrian, Hopfen, Melisse, Passionsblume u.a. haben h\u00f6chstens einen unterst\u00fctzenden Effekt, n\u00e4mlich eine gewisse Beruhigung bei sehr unruhig-gespannten Depressiven. Nachgewiesen antidepressiv wirkt allerdings nur Johanniskraut. Und dies &#8211; das sie nachdr\u00fccklich betont &#8211; ausschlie\u00dflich unter \u00e4rztlicher Kontrolle und nicht im Selbstbehandlungsversuch aus dem Supermarkt. Denn auch Johanniskraut hat au\u00dfer der m\u00f6glichen Lichtempfindlichkeit gewisse Nebenwirkungen, braucht eine Mindest-Dosierung und vor allem ausreichend Zeit, um zu &#8222;greifen&#8220; (so genannte Wirk-Latenz, die bei allen, also auch chemischen Antidepressiva zu ber\u00fccksichtigen ist).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><strong><br \/>\nSchlussfolgerung<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Dass es in der dunklen Jahreszeit vielen Menschen schlechter geht, ohne dass sie deshalb gleich krank sein m\u00fcssen, ist eine alte Erkenntnis. Dass sich manche Leiden, seien sie k\u00f6rperlicher, psychosomatischer oder seelischer Art zus\u00e4tzlich verschlechtern, ist ebenfalls bekannt. Dass dies vor allem f\u00fcr die Depressionen gilt, ist zwar auch nicht neu, wird aber bisher kaum als bemerkenswert, wenn nicht gar behandlungsbed\u00fcrftig eingestuft.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Das d\u00fcrfte sich langsam \u00e4ndern, zu gro\u00df ist die (wachsende) Zahl der Betroffenen, die zwar nicht mit dem qu\u00e4lenden Ausma\u00df einer schweren Depression geschlagen sind, durch Mattigkeit, Tagesm\u00fcdigkeit, Appetit- und Gewichtszunahme, \u00e4ngstlich-deprimierte Verstimmungen, vermehrte Irritierbarkeit, langen, aber unerquicklichen Schlaf, Libidoverlust und entsprechende Probleme im zwischenmenschlichen und beruflichen Bereich letztlich doch so beeintr\u00e4chtigt sind, dass etwas geschehen sollte. Vorausgesetzt man wei\u00df, um was es sich handelt und wie man dagegen angehen kann. Und dies nicht zuletzt deshalb, weil es Jahr f\u00fcr Jahr, Herbst f\u00fcr Herbst, den ganzen Winter und manchmal bis in das Fr\u00fchjahr hinein verunsichert, beeintr\u00e4chtigt und belastet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Da sich die \u00c4rzte vor allem an klinischen Bildern, d. h. station\u00e4r behandlungsbed\u00fcrftigen Patienten mit entsprechender Leidensstruktur und -intensit\u00e4t orientieren (das sind meist auch die Inhalte der Lehrb\u00fccher und Weiterbildungsseminare), und zwar nicht nur die Allgemein\u00e4rzte und Internisten (die oft die ersten und meist einzigen Ansprechpartner sind), sondern auch viele Psychiater und Nerven\u00e4rzte, wird es noch eine Weile dauern, bis von dieser Seite dieses bisher nicht ernst genommene Krankheitsbild registriert, diagnostiziert, akzeptiert und ad\u00e4quat behandelt wird. Es tut sich aber etwas, es gibt sogar schon Spezial-Sprechstunden an einigen psychiatrischen (Universit\u00e4ts-)Kliniken.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Noch wichtiger aber ist eine breite Aufkl\u00e4rung durch gezielte Informations- und Medienarbeit. Und die nimmt zu, leider in der Regel nur w\u00e4hrend der daf\u00fcr &#8222;interessanten&#8220; Herbst- und Wintermonate.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Es sollte aber Allgemeinwissen werden. Denn es geht nicht nur um Leistungsf\u00e4higkeit und Lebensqualit\u00e4t, es geht auch um die Gesundheit schlechthin &#8211; und das von Millionen von Betroffenen (\u00fcberwiegend weiblichen Geschlechts) und mit wachsender Tendenz.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Dazu auch der vorliegende, etwas ausf\u00fchrlichere Beitrag.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><strong>Den gesamten Beitrag k\u00f6nnen Sie <a href=\"http:\/\/localhost:8888\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/winterdepression.pdf\" target=\"_blank\">hier<\/a> als PDF-Datei einsehen.<\/strong><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif; font-size: x-small;\">\u00a9 2002 Prof. Dr.-med Volker Faust<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor Volker Faust Kurzfassung Dass bei vielen Menschen Stimmung und Leistungsf\u00e4higkeit im Winter zu w\u00fcnschen \u00fcbrig lassen, wurde schon von den \u00c4rzten im antiken Griechenland vor mehr als 2.000 Jahren beschrieben. 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