{"id":476,"date":"2009-07-22T20:47:07","date_gmt":"2009-07-22T18:47:07","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost:8888\/wordpress\/?p=476"},"modified":"2009-07-22T20:47:07","modified_gmt":"2009-07-22T18:47:07","slug":"lichtplanung-diskrepanz-zwischen-theorie-und-praxis","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.lichtundgesundheit.de\/cyberlux\/?p=476","title":{"rendered":"Lichtplanung &#8211; Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis"},"content":{"rendered":"<h3>Autor<\/h3>\n<h2>Heinrich Kramer<\/h2>\n<h3>Kurzfassung<\/h3>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Anforderungen und Empfehlungen      in Regelwerken befassen sich mit Aspekten, die teilweise praxisfremd sind.      Die Nutzerbed\u00fcrfnisse nach Tageslicht bei Bildschirmarbeit finden wenig      Ber\u00fccksichtigung. Oft wird auf die Technik hin geplant und nicht auf      den Nutzer. Der Mensch mit seinem Umfeld aber muss in den Mittelpunkt der      Planung gestellt werden und nicht die Technik.<\/span><\/p>\n<p><strong>Beitrag<\/strong><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Bildschirmarbeitspl\u00e4tze &#8211; Unterschied zwischen Theorie und            Praxis<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Wie die Evolution zeigt,            hat die Menschheit sich von der Bewegung auf vier Beinen m\u00fchsam            in den aufrechten Gang entwickelt. Dies bot ihr die M\u00f6glichkeit,            von erh\u00f6htem Standort besser ihre Umgebung zu beobachten, die frei            gewordenen H\u00e4nde f\u00fcr das Herstellen von Werkzeugen und Waffen            zu benutzen und gleichzeitig Nahrung mit ihrer Hilfe besser nach Hause            tragen zu k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Nachdem die Menschen sich            immer st\u00e4rker mit Hilfe der Sprache zum Geistesarbeitern entwickelt            hatten, lie\u00dfen sie bald die k\u00f6rperliche Arbeit von Sklaven            verrichten und sp\u00e4ter von Maschinen. Bei der Bildschirmarbeit reduziert            sich ihre k\u00f6rperliche T\u00e4tigkeit im Wesentlichen auf das Bet\u00e4tigen            der Tastatur. Wie man sieht, ist die restliche K\u00f6rpermuskulatur            f\u00fcr eine solche T\u00e4tigkeit nicht mehr notwendig. Auch der aufrechte            Gang bietet keine bessere \u00dcbersicht mehr, da die wichtigen Informationen            auf dem Bildschirm vor einem erscheinen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">F\u00fcr die Bildschirmarbeit            empfehlen wir den Menschen, die R\u00e4ume abzudunkeln und mit den Bildschirmarbeitspl\u00e4tzen            in Raumtiefe zu wandern. Wir empfehlen ferner eine Beleuchtungsst\u00e4rke            zwischen 300 und 500 lx, wohl wissend, dass dies im Sinne der menschlichen            Entwicklung biologische Dunkelheit darstellt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Wir empfehlen dies, obwohl            seit einiger Zeit bekannt ist, dass in Mitteleuropa im Winter nur 5            % und im Sommer nur 29 % der Menschen die biologisch notwendige Dosis            an Tageslicht bekommen. Au\u00dferdem wei\u00df man, dass etwa ein            Drittel der Bev\u00f6lkerung an SAD leidet, wenn man die schwere und            leichte Form zusammenfasst.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Die vorgenannten Prozents\u00e4tze            beziehen sich nur auf die richtige Dosis des Tageslichtes, w\u00e4hrend            die psychologisch notwendige Dosis bzw. Kontakt zur Au\u00dfenwelt            dabei \u00fcberhaupt nicht ber\u00fccksichtigt wurde. Da Fenster ferne            Arbeitspl\u00e4tze nach den negativen Erfahrungen mit dem Gro\u00dfraumb\u00fcro            immer mehr zur\u00fcckgegangen sind, ist es besonders verwunderlich,            wenn man Normen mit Empfehlungen f\u00fcr Fenster ferne Arbeitspl\u00e4tze            herausbringt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Die immer st\u00e4rker aufkommenden            Call-Center wollen offensichtlich die negativen Erfahrungen mit den            Gro\u00dfraumb\u00fcros nicht wahrhaben. Au\u00dferdem ist es nach            der bestehenden Arbeitsst\u00e4ttenrichtlinie immer noch m\u00f6glich,            mangelndes Tageslicht durch Kunstlicht zu substituieren. Da die Substitutionsvorschrift            500 lx vorschreibt, werden die Menschen auf die 2000 &#8211; 3000 lx biologisch            wirksame Dosis verzichten m\u00fcssen und ebenso auf die psychologisch            notwendige Dosis.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Beleuchtungsst\u00e4rken            beziehen sich nur auf den optisch wirksamen Teil der Strahlung. Die            H\u00e4lfte der Strahlungsenergie im Sonnenlicht befindet sich jedoch            im infraroten Spektrum und hat sicherlich eine wichtige Funktion in            der Evolution der Menschen gehabt. Die heute immer st\u00e4rker verwendeten            Gl\u00e4ser mit low-I-Bedampfung schneiden diesen Teil vollst\u00e4ndig            ab und deshalb m\u00fcssen die meisten Menschen in Zukunft auch noch            auf diesen Anteil des Spektrums verzichten. Wir tun dies, um die anfallenden            W\u00e4rmelasten f\u00fcr die Haustechnik zu reduzieren. Aus dem gleichen            Grund haben wir bis heute die Fenstergr\u00f6\u00dfen mehr nach den            Vorgaben der Klimatechniker als den W\u00fcnschen der Menschen dimensioniert.            In hoch transparenten Lichth\u00f6fen mit low-I-Gl\u00e4sern haben sich            schon erhebliche Probleme mit dem Wachstum der Pflanzen gezeigt. Hoffentlich            ist der Mensch leidensf\u00e4higer.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Unsere Erfahrung in der Praxis            zeigt, dass die Menschen sich immer gegen unsere Empfehlungen f\u00fcr            reduzierte Tageslichtqualit\u00e4t gewehrt haben. Mir haben die meisten            Kunden geantwortet, dass sie gerne mit ihrem Bildschirmarbeitsplatz            unmittelbar in Fenstern\u00e4he bei nicht abgedunkeltem Arbeitsplatz            arbeiten m\u00f6chten. Offensichtlich sind die nat\u00fcrlichen Instinkte            der Menschen besser als die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Fachleute.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Da der Mensch ein soziales            Wesen ist, hat er den Wunsch, mit anderen Menschen kommunizieren zu            k\u00f6nnen, genauso, wie er zu gewissen Zeiten Ungest\u00f6rtheit (Privatheit)            reklamiert. Beides wird durch Bildschirmarbeit zutiefst verletzt. Die            Konzentration auf den Bildschirm h\u00e4lt die Menschen von der Kommunikation            ab und bietet ihnen gleichzeitig keine Privatheit, wenn die Arbeitspl\u00e4tze            sich in Gro\u00dfraumb\u00fcros oder Call-Centern befinden. Hier liegt            ein wesentlicher Teil der Probleme mit Bildschirmarbeitspl\u00e4tzen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Ein weiterer Problempunkt            tritt auf, weil sehr viele Menschen sich mit der Bildschirmarbeit \u00fcberfordert            f\u00fchlen. Die Bedienung ist kompliziert und unverst\u00e4ndlich.            Allein der Gedanken an die Arbeit mit dem Computer l\u00e4sst viele            Menschen schwitzen (dies gilt besonders f\u00fcr diejenigen, die nicht            mit dem Computer &#8222;aufgewachsen&#8220; sind). Der damit verbundene            &#8222;Adrenalin-Spiegel&#8220; sowie die Anspannung k\u00f6nnen sich            abends ohne Weiteres in M\u00fcdigkeit und Kopfschmerzen \u00e4u\u00dfern.            F\u00fcr die trockenen und schmerzenden Augen gibt es auch eine einfache            Erkl\u00e4rung, die absolut nichts mit schlechtem Licht zu tun hat. <\/span><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Die Information erscheint            auf dem Bildschirm und deshalb ist eine konzentrierte Aufmerksamkeit            in Form von Fixieren des Bildschirmes (Starren) notwendig. In Erwartung            einer erscheinenden Information werden selbstverst\u00e4ndlich der Lidschlag            und damit die Befeuchtung der Hornhaut verringert. Dies f\u00fchrt zu            roten und trockenen Augen. Die Evolution hat uns mit dieser Eigenschaft            ausgestattet, weil es fatal w\u00e4re, wenn beim Fixieren einer Gefahr,            das Augenlid den Blick versperren w\u00fcrde.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Statt das Licht f\u00fcr            diese Probleme verantwortlich zu machen, sollte man die Menschen sehr            viel mehr vertraut machen mit dem Arbeitsger\u00e4t Bildschirm und Computer.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Ein weiterer Punkt, der die            Bildschirmarbeit so schwierig macht, ist die damit verbundene Monotonie.            Auf der einen Seite f\u00fchrt das ruhige Sitzen zu Bewegungsarmut und            zu unnat\u00fcrlicher Haltung und Konzentration, aber viel wichtiger            ist, dass durch das Betrachten des Bildschirmes die Komplexit\u00e4t            des visuellen Ambientes so reduziert wird, dass das Wahrnehmungssystem            sich deprivatisiert f\u00fchlt. Bildschirmarbeit ergibt unter geistigen            und k\u00f6rperlichen Aspekten eine einseitige und reduzierte Wahrnehmung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Interessanterweise beziehen            sich die meisten Empfehlungen f\u00fcr Bildschirmarbeitspl\u00e4tze            auf das Kunstlicht, obwohl nachweislich die Mehrzahl der Menschen ihre            Arbeitszeit am Bildschirm unter Tageslichtbedingungen verbringt. Die            Empfehlungen f\u00fcr Kunstlicht, sind wie oben schon dargestellt, sehr            umfangreich, w\u00e4hrend die f\u00fcr Tageslicht eher in die falsche            Richtung f\u00fchren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Auch zum Kunstlicht gibt            es Einiges zu sagen. Mit diesem beginnt im Verwaltungsbau meist die            Monotonie und Unpers\u00f6nlichkeit. Eine fl\u00e4chig verteilte Deckenbeleuchtung            entspricht nicht den Erwartungshaltungen der Nutzer. Das Gleiche gilt            f\u00fcr die Verteufelung der Tischleuchten. Ganz im Gegensatz zu der            wenig neutralen Behandlung in den Normen hat diese Leuchte ein hohes            Potenzial an atmosph\u00e4rischer Wirkung und guter Akzeptanz. Beides            sind wichtige Voraussetzungen f\u00fcr ein gutes Arbeitsklima.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Die wesentlichen Probleme            liegen beim Arbeitsger\u00e4t Bildschirm sowie in der Anordnung der            Arbeitspl\u00e4tze unter ergonomischen wie unter tageslichttechnischen            Gesichtspunkten. Die meisten Bildschirme machen in Positivdarstellung            weniger Probleme als in Negativdarstellung. Selbstverst\u00e4ndlich            sind dazu eine h\u00f6here Aufl\u00f6sung und eine h\u00f6here Bildwiederholfrequenz            notwendig, ebenso wie eine vergr\u00f6\u00dferte Strichst\u00e4rke.            Dies beherrschen moderne Bildschirme leicht. Heutige Entblendungsma\u00dfnahmen            verhindern auch in den meisten Aufstellungen die gef\u00fcrchteten Reflexe            auf dem Bildschirm. Bei CAD-Bildschirmen wird sehr oft reklamiert, dass            hier ein dunkler Bildschirm f\u00fcr die Arbeit unbedingt notwendig            w\u00e4re, weil sonst die Farben der feinen Linien nicht erkennbar seien.            Auch hier lie\u00dfe sich durch die Positivdarstellung und geeignete            Wahl der Farben und Strichst\u00e4rken das bessere Adaptationsniveau            des hellen Bildschirmes nutzen. Als es noch keine Computer gab, haben            Architekten und Technische Zeichner auch nicht auf schwarzem Papier            gezeichnet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Ich pers\u00f6nlich habe            in meiner langj\u00e4hrigen Praxis fast nie Beschwerden \u00fcber das            Kunstlicht geh\u00f6rt, sondern gr\u00f6\u00dftenteils \u00fcber die            unzureichenden Arbeitsbedingungen unter den o.g. Aspekten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Den Wissenschaftlern und            Vertretern, die die Normen und Vorschriften erarbeiten, kann ich nur            empfehlen, sich st\u00e4rker mit den Menschen am Arbeitsplatz in Verbindung            zu setzen. Meines Wissens gibt es keine seri\u00f6se Untersuchung, die            die den Normen zugrunde gelegten Voraussetzungen wissenschaftlich sauber            beweisen. Es gibt genau so viel Beschwerden \u00fcber schlechte Bildschirme            an Arbeitspl\u00e4tzen mit &#8222;falschem&#8220; und &#8222;richtigen&#8220;            Licht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Diese Fehler kann man nur            vermeiden, wenn man Bauherr und Architekt schon bei der Planung des            Geb\u00e4udes beraten darf, und man bei diesen auch ein offenes Ohr            f\u00fcr die komplexen Zusammenh\u00e4nge findet. Als besonders vorteilhaft            hat sich erwiesen, wenn man von Beginn des Planungsprozesses die Nutzer            in die Planung einbezieht und ihre Einw\u00e4nde Ernst nimmt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Beitrag als pdf <a href=\"http:\/\/localhost:8888\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/Kramer.pdf\">Kramer<\/a><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif; font-size: x-small;\">\u00a9 2001 Prof.              Dr.-Ing. Heinrich Kramer<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autor Heinrich Kramer Kurzfassung Anforderungen und Empfehlungen in Regelwerken befassen sich mit Aspekten, die teilweise praxisfremd sind. Die Nutzerbed\u00fcrfnisse nach Tageslicht bei Bildschirmarbeit finden wenig Ber\u00fccksichtigung. Oft wird auf die Technik hin geplant und nicht auf den Nutzer. 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