{"id":349,"date":"2008-08-21T21:20:56","date_gmt":"2008-08-21T19:20:56","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost:8888\/wordpress\/?p=349"},"modified":"2008-08-21T21:20:56","modified_gmt":"2008-08-21T19:20:56","slug":"was-ist-messen-und-bewerten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.lichtundgesundheit.de\/cyberlux\/?p=349","title":{"rendered":"Was ist &quot;Messen und Bewerten&quot;?"},"content":{"rendered":"<h4><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><strong>Wie lang ist ein Kilometer?<\/strong><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Wie w\u00fcrden Sie auf diese Frage antworten? Etwa so? Ein KILOmeter ist exakt 1.000 Meter. Und was bitte ist ein METER? Ein Ergebnis der Franz\u00f6sischen Revolution! Man wollte damals nicht nur von Adligen und K\u00f6nigen, sondern endlich auch von Ellen, Klaftern, Zentnern, Pfunden und \u00e4hnlichen Ma\u00dfen wegkommen und beschloss auf h\u00f6chster Ebene, die wichtigsten Ma\u00dfeinheiten gesetzlich festzulegen. So entstanden &#8222;Urkilo&#8220; und &#8222;Urmeter&#8220;, die sich immer noch in ihrem Ursprungsort, in Paris befinden. Ein Meter ist der 40millionste Teil des Erdumfangs am \u00c4quator. Deutschland \u00fcbernahm den Meter ganze 80 Jahre sp\u00e4ter &#8211; und verbot im Gegenzug Einheiten wie Spanne und Faden. Seitdem wird die L\u00e4nge von Stoffbahnen, Schwimmbahnen oder Autobahnen nicht in Ellen oder Klaftern gemessen, sondern eben im Vergleich zum Urmeter. (Nur Segler m\u00fcssen sich mit Gr\u00f6\u00dfen wie Kabel herumschlagen (220 Meter, L\u00e4nge einer Trosse)<\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.cyberlux.de\/deutsch\/articles\/science\/lichtqualitaet\/cakir4\/pic001.jpg\" alt=\"\" width=\"573\" height=\"377\" \/> <\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Bild 1 Der Urmeter und das Urkilogramm; beide aus einer Platin-Iridium Legierung. Diese Legierung wurde aufgrund ihrer Unempfindlichkeit gegen\u00fcber \u00e4u\u00dferen Einfl\u00fcssen wie Temperatur gew\u00e4hlt. An den Enden des Urmeters sind je drei Kerben, von denen jeweils die mittlere genommen genau den Abstand &#8222;ein Meter&#8220; haben. (aus http:\/\/wwwex.physik.uni-ulm.de\/lehre\/hauptseminar2000-2001\/laenge\/sld014.htm)<\/span><\/p>\n<p>Der Meter ist zwar exakt, aber nicht so anschaulich wie die Elle. Daher benutzen Menschen, die h\u00e4ufig mit L\u00e4ngen umgehen, ihr eigenes Ma\u00df, bei kleinen L\u00e4ngen die Spanne (etwa 20 &#8211; 25 cm, Hand eines Erwachsenen), beim Zusammenlegen von Seilen die Elle (ca. 55 cm, etwa Fingerspitze bis Ellbogen), freilich ohne sie beim Namen zu nennen. So erkl\u00e4rt verstehen wir eine L\u00e4nge besser als wenn uns jemand sagt, die L\u00e4nge des gerade zusammen gelegten Seils (z.B. 10 m) w\u00e4re das Zehnfache vom 40millionstel des Erdumfangs. (Warum wir solche Angaben nicht so gut verstehen, kann man an einem Beispiel sehen. Bitte hier <a href=\"?p=351\" target=\"_blank\">klicken<\/a>).<\/p>\n<p align=\"left\"><a name=\"anchor\"><\/a><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"> Gr\u00f6\u00dfen wie Pfund oder Zentner als Einheit oder gar Viertel(-pfund) als Portionsgr\u00f6\u00dfe zum Auspreisen im Laden mussten etwa 100 Jahre nach Einf\u00fchrung des Kilo in Deutschland mit einem Gesetz und unter Androhung von Strafen aus dem Verkehr gezogen werden. Aus den K\u00f6pfen lassen sie sich indes nicht verbannen, wei\u00df man doch wie viele Scheiben Schinken auf ein Viertelpfund gehen. <\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Wie lang ist nun ein Kilometer tats\u00e4chlich? Wenn man Menschen nach ihrer Intuition fragt, wird man h\u00f6chst unterschiedliche Antworten bekommen. Ein Kilometer auf einer gut ausgebauten Autobahn in einem schnellen Auto (200 km\/h) sind 18 Sekunden oder ein paar Atemz\u00fcge, w\u00e4hrend die gleiche Strecke bei einer W\u00fcstenwanderung ohne Wasser eine alptraumhaft lange Reise bedeuten kann. Das bedeutet, dass eine objektiv gemessene Gr\u00f6\u00dfe f\u00fcr jeden Fall oder f\u00fcr jede Person eine andere Bedeutung haben kann. Auch deswegen trennt man Messen vom Bewerten.<\/span><\/p>\n<p>Leider ist die Frage, wie lang ein Kilometer ist, auch nach einem exakten Messen (1.000 x Urmeter) und einem sachgerechten Bewerten (im Auto auf der Autobahn oder ohne Schuhwerk in der Sahara) immer noch nicht einwandfrei beantwortbar. Es gibt n\u00e4mlich auch den Fall, dass eine gemessene Strecke von einem Kilometer auch mal drei Kilometer lang sein kann, ohne dass dies ein Widerspruch in sich ist. Man stelle sich vor, dass der Betreiber der Hotelanlage in dem unteren Bild angibt, der Strand zwischen den beiden rot markierten Stellen sei einen Kilometer lang, wie man exakt durch Messen festgestellt hat. Stimmt das?<\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.cyberlux.de\/deutsch\/articles\/science\/lichtqualitaet\/cakir4\/pic002.jpg\" alt=\"\" width=\"588\" height=\"392\" \/><\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Es kommt darauf an! Z.B. darauf, was man unter &#8222;Strand&#8220; versteht. F\u00fcr die meisten Menschen ist ein Strand die Stelle, an der das Land das Meer trifft. Dessen L\u00e4nge kann man z.B. aus einer Luftaufnahme ermitteln, mit einem Bandma\u00df messen, oder aber grob durch abschreiten sch\u00e4tzen. Ob einer auf die Idee kommt, die benetzte L\u00e4nge aller Sandk\u00f6rner zwischen den roten Markierungen zu messen? Die benetzten Teile der Sandk\u00f6rner stellen n\u00e4mlich die wahren Stellen dar, an denen das Meer das Land trifft. Physiker haben theoretisch ermittelt, dass der so gemessene Strand auch mal 20 km lang sein kann, wenn dessen stolzer Besitzer meint, er sei nur einen Kilometer lang. F\u00fcr den Touristen, der mal schnell zwischen den Markierungen rennt, stimmt das in etwa. Ein Wanderer, der stets die gerade nass gewordene Stelle am Wasser entlang wandert, wird der abgebildete Strand etwa 1,5 bis 2 km lang sein, f\u00fcr den Physiker eben das Zehnfache oder auch mal l\u00e4nger. Wie lang er f\u00fcr einen Sandfloh ist, der auch noch die Sandk\u00f6rner hoch und runter steigen muss, kann man nur erahnen.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Das bedeutet, dass auch ein objektiv ermitteltes Ma\u00df nicht unbedingt &#8222;objektiv&#8220; vorliegen muss. Es h\u00e4ngt von der Absicht ab, mit der man misst, und von dem Messverfahren, das man f\u00fcr geeignet h\u00e4lt. (Man denke nur an die sch\u00f6nen runden vorschriftsm\u00e4\u00dfigen holl\u00e4ndischen Tomaten, die allen m\u00f6glichen Anforderungen gen\u00fcgen, aber deren Geschmack nicht gemessen wird.)<\/span><\/p>\n<h4><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Wen interessiert denn, dass ein Kilometer mal so mal so lang ist?<\/span><\/h4>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Eigentlich jeden, der etwas baut, aussucht, kauft, verkauft, benutzt oder konsumiert. Die besondere Bedeutung unterschiedlicher Mess- und Bewertungsmethoden f\u00fcr Licht wird in dem Hauptartikel dargestellt, w\u00e4hrend hier das allgemeine Problem behandelt wird. <\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Was das Bewusstsein f\u00fcr das Problem f\u00fcr Vorteile haben kann, kann man z.B. aus den Akten der Immobilienaff\u00e4re Schneider lesen, aber nicht nur dort. Der im Jahre 1994 mit einem Schaden von ca. 2,6 Milliarden Mark Pleite gegangene Dr. Schneider hat den gr\u00f6\u00dften Teil der erschwindelten Summen durch Sch\u00f6nrechnen der Mietfl\u00e4chen seiner Objekte erzielen k\u00f6nnen, d.h. durch Gleichsetzen von Bruttogeschossfl\u00e4che (BGF) und Mietfl\u00e4che. Die sind aber nur manchmal gleich, manchmal aber sehr unterschiedlich. Wer ein ganzes Geb\u00e4ude mietet oder erstellt, rechnet tats\u00e4chlich auf der Basis der BGF, wer hingegen in einem Mietshaus X m<sup>2<\/sup> B\u00fcro mietet, zahlt meistens die gemieteten R\u00e4umlichkeiten. (Die anderen Fl\u00e4chen zahlt er naturgem\u00e4\u00df auch mit, aber nur indirekt.) F\u00fcr die meisten Gesch\u00e4ftsh\u00e4user betr\u00e4gt die &#8222;B\u00fcrofl\u00e4che&#8220; nur etwa 50% der BGF. Wenn Dr. Schneider also behauptet hat, er bes\u00e4\u00dfe 100.000 m<sup>2<\/sup> B\u00fcro, k\u00f6nnte sein echt vermietbarer Besitz nur die H\u00e4lfte betragen haben. (Vor einer Wiederholung des Tricks im Alltag, etwa bei einer Wohnungsvermietung, sei gewarnt. Wer 87 m<sup>2<\/sup> Wohnung vermieten m\u00f6chte, muss die wirklich nachweisen k\u00f6nnen.) <\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Auch Vorschriften gehen mit &#8222;wahren&#8220; Gegebenheiten nicht viel sorgf\u00e4ltiger um. So hat eine Zahlenangabe (8-10 m<sup>2<\/sup> im Durchschnitt) seit dem Jahre 1976 Eingang in Tausende von Betriebsvereinbarungen gefunden &#8211; als Richtgr\u00f6\u00dfe f\u00fcr die B\u00fcrofl\u00e4che f\u00fcr einen Mitarbeiter. Sie stammt aus den &#8222;Sicherheitsregeln f\u00fcr B\u00fcro-Arbeitspl\u00e4tze&#8220; &#8211; und macht leider so keinen Sinn. Als die Vorschrift verfasst wurde, gab es in Deutschland n\u00e4mlich ca. 33 m<sup>2<\/sup> Fl\u00e4che pro Mitarbeiter! Wozu dann 8-10 vorschreiben? Warum mussten sich Viele eingeengt f\u00fchlen, obwohl man etwa drei Mal so viel Fl\u00e4che hatte, als in der Vorschrift gefordert? Zuweilen sogar mehr als in der eigenen Wohnung!<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Weil ein Quadratmeter B\u00fcrohaus nicht immer ein Quadratmeter nutzbares B\u00fcro ist. Die Rechnung geht so: Die Fl\u00e4che von 33 m<sup>2<\/sup> ist Bruttogeschossfl\u00e4che. Im Schnitt weist ein B\u00fcrohaus ca. 50% davon als &#8222;B\u00fcrofl\u00e4che&#8220; auf, d.h. 15 m<sup>2<\/sup>. Das w\u00e4re immer noch mehr als gefordert. Je nach Besiedlung eines B\u00fcrohauses stehen den Mitarbeitern aber nur 6 m<sup>2<\/sup> zur Verf\u00fcgung, weil der Rest f\u00fcr andere Zwecke verwendet wird (z.B. Vorstandssuiten, Schulungszentren oder repr\u00e4sentativ aussehende Foyers). So gesehen, macht die Vorschrift wieder Sinn. <\/span><\/p>\n<h4><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">K\u00f6nnen ehrliche W\u00f6rter l\u00fcgen?<\/span><\/h4>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Auf jedem Fachgebiet entwickelt sich im Laufe der Zeit eine &#8222;Fachsprache&#8220;, weil die allgemeine Sprache entweder nicht ausreicht oder zu umst\u00e4ndlich ist oder zu unpr\u00e4zise. So kann man Diamanten, Kaviar und Hafer zwar in Kilogramm messen, &#8222;Fachleute&#8220; werden aber nicht immer gl\u00fccklich damit. Wenn Diamanten in kg gemessen werden, so wei\u00df der Fachmann, dass es sich um industriell verwertbare harte Steine, meist in winzigen Gr\u00f6\u00dfen, handelt, die den Namen &#8222;Edelstein&#8220; nicht so recht verdienen. Edelsteine werden in Karat gemessen, das war einst das Gewicht des Samens des Johannisbrotbaums. Ein kg sind 5.000 Karat. Man k\u00f6nnte vielleicht den teuersten Kaviar auch in Karat messen, weil man sich nicht viel davon leisten kann, aber bestimmt nicht den Hafer. F\u00fcr den ist der Zentner die richtige Ma\u00dfeinheit. Niemand wird 250.000 Karat Hafer f\u00fcr sein Pferd kaufen wollen. Und ein Juwelier wird nicht fragen, ob der Diamant auf dem Verlobungsring exakt 0,000004 Zentner sein soll oder eher etwas gr\u00f6\u00dfer sein darf.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Die Differenzierung der Fachsprachen f\u00e4ngt naturgem\u00e4\u00df nicht erst bei der Gewichtseinheit an. Sie benutzen harmlos aussehende W\u00f6rter aus der Umgangssprache mit gewissen \u00c4nderungen f\u00fcr ihre Zwecke, manchmal so, dass Au\u00dfenstehende die Bedeutung nicht mehr erkennen k\u00f6nnen. Beispielsweise ist in einer &#8222;Hochdrucklampe&#8220; \u00fcberhaupt kein Hochdruck, wie man ihn aus Gasflaschen kennt. In diesen Lampen ist der Druck etwa so hoch wie an der freien Luft und sie zerbrechen einfach wie Fensterglas, wenn man mit dem Hammer darauf schl\u00e4gt. Explosiver sind H\u00f6chstdrucklampen, aber ihnen gen\u00fcgen ca. 10 bar Gasdruck, und das ist nur etwas mehr als im Reifen eines Gel\u00e4nderads, w\u00e4hrend man bei Tanks f\u00fcr Atemluft 200 bar als normal ansieht. Wenn man die Tanks als &#8222;Superh\u00f6chstdruckflaschen&#8220; bezeichnen w\u00fcrde, w\u00fcrden die meisten Sporttaucher wahrscheinlich lieber Schnorcheln gehen. <\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">So lange ein Begriff aus einer Fachsprache in dieser verwendet wird, kann man davon ausgehen, dass er hinreichend genau und brauchbar ist. Problematisch wird es indes, wenn in einer Fachsprache W\u00f6rter aus der Umgangssprache in einer spezifischen Bedeutung, sogar zuweilen in einer anderen, verwendet werden. So nehmen z.B. Juristen gerne h\u00e4ufig benutzte W\u00f6rter und geben ihnen eine besondere Bedeutung. Wenn sie sich mit Arbeitsrecht besch\u00e4ftigen, bedeutet z.B. das Wort &#8222;Belastung&#8220; \u00fcberhaupt nichts Negatives, f\u00fcr jeden normalen Menschen aber schon. Bis vor kurzem waren Tiere f\u00fcr den Juristen lediglich &#8222;Sachen&#8220;, was ein stolzes Herrchen von einem verw\u00f6hnten Scho\u00dfhund mit Sicherheit weit von sich weisen wird.<br \/>\nAber nicht nur Juristen benutzen W\u00f6rter aus der Umgangssprache in recht eigenwilliger Bedeutung, auch Techniker fr\u00f6nen dieser S\u00fcnde. Zum Beispiel nennen sie den Stoff, der die Energie in einem Kernkraftwerk hergibt, Brennstoff, obwohl in einem solchen Ort wirklich nichts brennen darf. Und den Prozess, den sie da betreiben, nennen sie &#8222;Energieerzeugung&#8220;, obwohl jedes Kind in der Schule lernt, dass man Energie nicht erzeugen kann.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Am schlimmsten agieren aber Leute, die Begriffe aus anderen Welten f\u00fcr ihren Bedarf zurechtbiegen. Und damit haben wir auch in der Lichttechnik zu tun &#8211; nicht etwa an unwichtiger Stelle, sondern genau dort, wo man das Allerheiligste begr\u00fcnden will, h\u00f6here Beleuchtungsst\u00e4rken. Ein Bild, das selbst in der Psychologie Zugang gefunden hat, l\u00fcgt am dreistesten mit Hilfe eines psychologischen Begriffs, Erm\u00fcdung (Bild 2). Dreist, weil ein Psychologe die L\u00fcge ganz einfach durchschauen k\u00f6nnte, aber vermutlich nicht tun wird, da der Begriff jedem gel\u00e4ufig ist. Und das was das Wort Erm\u00fcdung aussagt, kennt doch jeder!? Aber nicht den Kniff, den hier Marketingexperten anwenden. <\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.cyberlux.de\/deutsch\/articles\/science\/lichtqualitaet\/cakir4\/pic003.jpg\" alt=\"\" width=\"294\" height=\"362\" \/><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Bild 2 Angebliche Beziehung zwischen der Beleuchtungsst\u00e4rke, der Arbeitsleistung und der Erm\u00fcdung. Das Bild wird seit Jahrzehnten in vielen Publikationen abgedruckt, das abgebildete stammt aus Schmidtke &#8222;Lehrbuch der Ergonomie&#8220; (Ausgabe 1981) und wird dort ausf\u00fchrlich von einem Physiologen kommentiert. <\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Die &#8222;Leistung&#8220; in diesem Bild gibt nicht etwa die Arbeitsleistung an, die Menschen in R\u00e4umen mit der entsprechenden Beleuchtungsst\u00e4rke erreichen w\u00fcrden. Der Begriff steht f\u00fcr die Menge von Perlen, die Versuchspersonen in einem Kurzzeitversuch aufgef\u00e4delt haben. Die angegebene Beleuchtungsst\u00e4rke hat vermutlich nur auf den Perlen geherrscht, aber nicht \u00fcber der ganzen Versuchsperson. Dies k\u00f6nnte man noch als eine Unvollkommenheit des Versuchs durchgehen lassen. Aber nicht den Begriff &#8222;Erm\u00fcdung&#8220;. Die kann n\u00e4mlich auch heute niemand messen, schon gar nicht auf 0,5 % genau. Wenn man die Beleuchtungsst\u00e4rke von 200 lx auf 1000 lx erh\u00f6ht, nimmt die Erm\u00fcdung, jedenfalls nach diesem Bild zu urteilen, genau um 0,5% ab. Wie hat man die blo\u00df gemessen? Um die Leistung um etwa 1% zu steigern, muss man die Beleuchtungsst\u00e4rke von 300 lx auf 1000 lx erh\u00f6hen! Sch\u00f6ner Gewinn bei einer Steigerung des Energieverbrauchs um das 3,3-Fache!<\/span><\/p>\n<p>Bleibt zu erw\u00e4hnen, dass die hier so illustrativ dargestellte Erm\u00fcdung gar keine ist. Es handelt sich um die in der Zeiteinheit entstandenen Fehler. Wer das Bild auch erstellt haben mag, meinte, dass man mit zunehmender Erm\u00fcdung mehr Fehler produziere, daher w\u00e4ren geringere Fehler mit weniger Erm\u00fcdung gleich zu setzen. Sein Bild wird fast immer ohne Quellenangabe zitiert und ist somit zu einer Art Wahrheit mutiert, die man nicht mehr hinterfragt.<\/p>\n<h4><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Wie sollte man vorgehen?<\/span><\/h4>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">Man liegt meistens auf der sicheren Seite, wenn man ein Ma\u00df auf dem Gebiet verwendet, auf dem es entstanden ist. Hingegen muss man immer vorsichtig sein, wenn man die Ma\u00dfe anderer verwenden will oder muss. Doppelt und dreifach sollte man bei Zitaten sein, die ein Nicht-Eingeweihter aus einem ihm unbekannten Fachgebiet ohne die ber\u00fchmten G\u00e4nsef\u00fc\u00dfchen schreibt und kommentiert.<br \/>\nSicher geht man dann, wenn man sich \u00fcber die f\u00fcnf W\u00b4s Klarheit schaffen kann:<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\">\u00b7\tWER hat gemessen?<\/span><\/p>\n<p>\u00b7\tWIE hat er gemessen?<\/p>\n<p>\u00b7\tWAS hat er gemessen?<\/p>\n<p>\u00b7\tWARUM hat er gemessen?<\/p>\n<p>\u00b7\tWAS hat er weggelassen?<\/p>\n<p>Wer sich nicht so viel Arbeit machen m\u00f6chte, sollte wenigstens im Hinterkopf behalten, dass Zahlen und objektive Fakten zwei Paar Stiefel sind. Wenn ein Mensch in seiner Umgebung &#8222;Licht macht&#8220;, m\u00f6chte er eine helle und farbenfrohe Umgebung schaffen. Man kann an dem Licht zwar viele Eigenschaften messen, aber weder die Helligkeit noch die Farben, die einer sieht. Die beiden existieren nur im Gehirn dieses einen Menschen.<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif;\"> <a href=\"?p=347\" target=\"_blank\">Zur\u00fcck zum Haupttext<\/a><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-family: Arial, Helvetica, sans-serif; font-size: x-small;\">\u00a9 2003 Dr.-Ing.            Ahmet \u00c7akir<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie lang ist ein Kilometer? Wie w\u00fcrden Sie auf diese Frage antworten? Etwa so? Ein KILOmeter ist exakt 1.000 Meter. Und was bitte ist ein METER? Ein Ergebnis der Franz\u00f6sischen Revolution! Man wollte damals nicht nur von Adligen und K\u00f6nigen, sondern <a href=\"http:\/\/www.lichtundgesundheit.de\/cyberlux\/?p=349\"> Read more&#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[95],"tags":[98,102,104,113,120],"class_list":["post-349","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-messen-und-bewerten","tag-arbeit","tag-cen","tag-cyberlux","tag-licht","tag-sicherheit"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.lichtundgesundheit.de\/cyberlux\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/349","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.lichtundgesundheit.de\/cyberlux\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.lichtundgesundheit.de\/cyberlux\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.lichtundgesundheit.de\/cyberlux\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.lichtundgesundheit.de\/cyberlux\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=349"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.lichtundgesundheit.de\/cyberlux\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/349\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.lichtundgesundheit.de\/cyberlux\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=349"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.lichtundgesundheit.de\/cyberlux\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=349"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.lichtundgesundheit.de\/cyberlux\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=349"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}